Déry Tibor: Különös árverés. Regények 1920–1942. Ein Fremder (Déry Archívum 4. Petőfi Irodalmi Múzeum és Kortárs Irodalmi Központ, Budapest, 1999)

man lautes Geschrei, ein Auto bleibt hupend vor dem Kaffehaus stehen, ein Dienstmann öffnet die Türe. Durch den dunstigen Kafeehauslärm hört Szerb die atemlose, leise Stimme seines Freundes und zwischendurch ein Geräusch, als ob ein gefangener Vogel mit den Flügeln schlagen würde: ersterbendens Schluchzen. - Ja, ich bin feige, weil du mich schon zweimal dazu gebracht hast, zu dir zurückzukehren, weil du jetzt auch nichts anderes vorhast und weil es keinen Sinn hat! Ich bin feige, weil ich deinen Tränen nicht widerstehen kann! Geh' zum Teufel! Siehst du nicht, daß ich viel hilfloser bin, als du ... In einem Monat wirst du dich getröstet haben, dumme Gans ... ich werde noch in einem Jahr mit Gewissenbissen zu kämpfen haben! - Aber mir ist alles gleich - wiederholte die weiche Frauenstimme immer wieder - mir ist alles gleich, ich liebe dich! Was soll ich mit deinen Gewissensbissen anfangen ... und mit deinen übrigen Märuierdummheiten ... süßer Ludwig, siehst du denn nicht, daß ich dich liebe! Die letzten Worte sind so rührend in ihrer verzweifelten Hilflosigkeit! So bellt der liebende Hund seinen Herrn an und sieht ihm hinter dem Gitter mit hängenden Ohren nach, wenn er, ohne sich umzudrehen, davongeht. Szerb schaut sich rasch die Ohren des jungen Mädchens an, dann wendet er ebenso rasch den Kopf ab. - Willst du mich nicht mehr Wiedersehen? - Wozu? - Ich weiß nicht ... - Nein, es is sinnlos! Szerb wendet plötzlich den Kopf. - Hat das Leben überhaupt einen Sinn? - sagt er mit prophetisch erhobenem Zeigefinger und erhobener Stimme. - Ein jede erfülle, was der andere von ihm wünscht und ... Er bleibt mitten im Satz stecken, denn das junge Mädchen beugt den Kopf plötzlich auf den Tisch und fängt mit bebendem Körper laut zu weinen an. Szerb blickt seinen Freund an. Borbolya hat Tränen in den Augen, er schaut starr vor sich hin. In ihrer Nachbarschaft drehen sich die Leute um und betrachten interessiert die kleine Szene. Szerb spürt, wie ihm das Herz durchgeht; wären seine Hände von der Reise nicht so schmutzig, er würde der Kleinen das Haar streicheln. Ein Kellner tritt zum Tisch. - Herr Ludwig Borbolya wird zum Telephon gebeten! Das junge Mädchen hebt mit einer plötzlichen Bewegung den Kopf, die Tränen tropfen in die Kaffeeschale. - Wer ist beim Telephon? - fragt sie und schaut dem Kellner starr in die Augen. - Eine Frauenstimme? - Sie erwartet keine Antwort und fällt mit dem Oberkörper schwer auf den Marmortisch

Next

/
Thumbnails
Contents