Déry Tibor: Különös árverés. Regények 1920–1942. Ein Fremder (Déry Archívum 4. Petőfi Irodalmi Múzeum és Kortárs Irodalmi Központ, Budapest, 1999)

zurück. - Nicht einmal hier läßt sie dir Ruhe, wo du zum letztenmal mit mir bist! ... Oh die Schamlose! ... Ein Mann genügt ihr nicht, dich muß sie auch noch haben ... Aber ich werde ihrem Mann die Augen öffnen! Borbolya schlägt mit der Faust auf den Tisch. Sein Gesicht ist rot vor Wut, er beugt sich zum Ohr des jungen Mädchens und lispelt leise, mit zischender Stimme. Szerb hat ein scharfes Gehör, malgré moi, sagt er sich und denkt an Mozart. Szerb versteht sich nicht auf Liebe. Er versteht nicht, warum Borbolya, wenn er nun schon einmal in die andere, verheiratete Frau verliebt ist, nicht auch das junge Mädchen behalten kann, vorausgesetzt, daß diese einverstanden ist, schließlich ... Oder ist die andere nicht einverstanden? Die brauchte doch nichts davon zu wissen! ... Szerb hat einen schweren Kopf, ihm sausen die Ohren,vielleicht ist es die Müdigkeit der Reise ... Er hört, wie das junge Mädchen in seiner großen Verzweiflung und Wut auf die andere Frau mit ganz ordinären Worten schimpft, mit Worten, die sich - von der schönen seidenweichen Stimme getragen - so sonderbar anhören, als ob man irgendeinen häßlichen Dreck in Seidenpapier einpacken würde; er sieht, wie Borbolya vom Stuhl aufsteht, um zur TelephonzeUe zu gehn ... - Du wirst nicht telephonieren! Szerb sieht, daß auch das junge Mädchen aufgesprungen ist. Er wendet den Kopf ab und späht in der Richtung des Rosenhügels, in der Hoffnung, daß die schwere Wolke, die Erleichterung und Hilfe versprochen hat, nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Er sieht nicht mehr, was im Kaffehaus vorgeht. Er betrachtet die Straße, die Spaziergänger, und zwischen ihnen den plötzlich auf der Straße auftauchenden Freund Borbolya, der mit unbedecktem Kopf den Bürgesteig entlangrennt und in eine Taxe springt.Im selben Augenblick beginnt es zu regnen, schwere Tropfen fallen auf den Asphalt, die Spaziergänger rennen mit flatternden Hosen und Röcken. Die mit rotem Zelltuch überspannte Terrasse des Kaffeehauses wimmelt von Menschen, ein Regiment Infantiere kommt mit naß glänzenden Helmen die Lövőház-ucca enüang. Die Taxe Borbolyas rast vorbei. Szerb faßt endlich Mut und dreht sich um. - Wie soll ich das verstehen ... Sie sind noch hier? - fragt er erstaunt das junge Mädchen, die noch immer am andern Ende des Tisches sitzt und aus ihrer Handtasche soeben Puder und Rouge hervorholt, um ihr verstörtes Gesichtchen in Ordnung zu bringen. Ihr Naschen ist kalkweiß von Puder. - Er ist fort! - sagt sie tragisch, indes sie mit einem Spitzentuch die Farbe auf ihren Wangen zerreibt und sich die Augenbrauen vor dem Spiegel richtet. Szerb schaut ihr entgeistert zu. Ein Vögelchen Gottes! - Aber er hat doch nicht telephoniert! - sagt das junge Geschöpf triumphierend und legt ihre Kampf gerate in die Handtasche zurück. Dann

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