Déry Tibor: Különös árverés. Regények 1920–1942. Ein Fremder (Déry Archívum 4. Petőfi Irodalmi Múzeum és Kortárs Irodalmi Központ, Budapest, 1999)
Sollte ich mich nicht rächen, daß man zugelassen ... daß man mir meine Jugend gestohlen hat ... vier Jahre ... - Kein schlechter Anfang! - sagt er und schaut sich wie um Verzeihung flehend im Kreis um. - Woher wußten Sie es? - fragt die dicke Dame keuchend. - Am liebsten möchte sie ein Kreuz schlagen. Hatte es Ihnen jemand gesagt ... das hätte ich doch auch gehört! Er hat geschlafen! Sie sind doch alle erwacht, wendet sie sich an die übrigen Insassen des Abteils, Sie sind doch alle erwacht, als der Zug plötzlich stehen blieb ... Ist es wahr - fragt sie purpurrot, - daß er eine Blinde über dem rechten Auge ... oder auf den linken ... Aber das Schnellfeuer der aufgeregten Fragerin verhallt wirkungslos, ein jeder ist in seine eigenen Gedanken vertieft. Der junge Mann begibt sich in den Speisewagen, um ein Glas eisgekühltes Gießhübler Wasser zu trinken, es ist ihm übel, wenn er an den in Stücke gerissenen Leichnam denkt. Der alte Herr kratzt sich den Bart. Cili ist zumute, als hätte sie einen Augenblick den Flammenhauch der Poesie gespürt. Sie ringt hart mit sich. - Woher wußten Sie es, Herr Doktor? - fragt sie noch einmal, ein letztesmal, in der Hoffnung, im allerletzten Augenblick ihren nüchternen Verstand zu rehabilitieren. Szerb schaut sie nicht an. - Das weiß man nicht - antwortet er. - Und damit versinkt er wieder in Schweigen, diesmal endgültig, denn bis zu Ankunft am Südbahnhof wird man kein Wort mehr von ihm hören. Der Zug hat sich inzwischen in Bewegung gesetzt. Die Hitze wird nun erträglicher, ein frischer Wind weht zum Fenster herein. Das Rollen der Räder übertönt das sanfte Saitenspiel der Telegraphendrähte. Wozu bin ich nach Hause gekommen? - fragt sich Dr. Szerb. Ein drückendes, unerträgliches Angstefühl bemächtigt sich seiner, wie er es noch nie zuvor gefühlt. Wenn es sich jetzt herausstellen würde, daß er auch seinen letzten Einsatz verloren hat, daß es nirgend auf der Welt mehr einen Ort gibt, wo er Pflichten hätte, daß er aus dem wohltuenden Lügennetz des menschlichen Zusammenlebens endgültig ausgestoßen ist ... - Ach! sagt er laut und winkt mit der Hand ab.Eine seiner Locken fällt ihm in pessimistischen Augenblicken immer in die Stirn. Er streicht sie zurück. Durch das Fenster erblickt man bereits den Geliertberg, aber Szerb erkennt ihn nicht. So klein wäre der große Berg? Auch die Gegend am Fuße des Berges kommt ihm höchst unbekannt wor. Wo unerkenntlich wird ihm das ganze ungarische Leben sein, so fremd, wie der Schaffner, der ihn an der Grenze „gnädiger Herr" tituliert hat und stramm salutierend die reisenden