Déry Tibor: Különös árverés. Regények 1920–1942. Ein Fremder (Déry Archívum 4. Petőfi Irodalmi Múzeum és Kortárs Irodalmi Központ, Budapest, 1999)

- Wie lange werden wir noch stehen? - pustet erbost die dicke Dame und greift sich plötzlich an den Hinterkopf, als ob sie die Frage wie eine Fliege totschlagen wollte. Dr. Szerb wandte den Blick auf ihre braunrot geschmorenen, wie Gansbraten duftenden Wangen und lächelt. Er bittet lautlos um Vergebung, daß er momentan nicht bei Appetit sei. Ich bin leer, sagte er zu sich, meine Schläfen sind ergraut. Das merkte ich an jenem Tag, als ich aus der Gefangenschaft freigelassen wurde. Ich habe unentwegt das Gefühl, als hätte ich etwas verloren. Es ist gar nicht wahr, daß ich zerstreut bin. Ich weiß nicht, was ich verloren habe, aber das kann man ja auch nicht wissen. Wenn er dieser jungen Cili erzählen würde, welch seltsames Gefühl ihn überkam, als er nach neun Jahren wieder zum erstenmal ungarisch sprechen dürfte - mit Ungarn auf ungarischer Erde - wenn er seine Gefühle beschreiben wolte, Cili würde ihn nicht verstehen, auch der junge Mann nicht, der neben ihr sitzt, noch der alte schlafende Herr. Ist es überhaupt etwas, was verstanden werden kann? Er hatte das Gefühl, als würde er eine fremde Sprache sprechen, die Sprache eines fremden Landes, die er sich vor der Reise angeeignet hat. Er spricht fehlerlos ungarisch, doch mit derselben inneren Unsicherheit, mit der er vorerst vier Jahre französich parliert, dann fünf Jahre deutsch gesprochen hat; keine von beiden wurde ihm zur Muttersprache, er hat überhaupt keine Muttersprache mehr. Dr. Szerb merkt, daß ihm sein Vaterland fremd geworden ist, er merkt es jetzt, da er ungarisch zu sprechen beginnt. Aber warum ist er dann nach Hause gekommen, wenn er hier ebenso fremd ist, wie er draußen war, wozu dann die teueren Eisenbahnspesen zahlen? Er hat hier nichts zu suchen! Niemand wird ihn am Bahnhof erwarten. Aber was hätte er angefangen, wenn er draußen gebheben wäre? - Wie bitte? - meint er und macht ein zuvorkommendes Gesicht, denn er hat den Eindruck, als ob ihn jemand angesprochen hätte. - Ja, ganz richtig, ich komme aus dem Ausland. Sie fragen woher? Aus Italien ... Dort bin ich nur durchgereist. Eigentlich komme ich aus Wien. Genauer genommen aus französischer Gefangenschaft. Merkt man es meiner Aussprache nicht an? Cili spitzt die Ohren. Es ist doch nicht so übel, wenn man einen neugierigen, gesprächigen Vater hat. Aus französicher Gefangenschaft ... nicht uninteressant! - Man hat Sie erst jetzt aus der Gefangenschaft endassen? - fragt der alte Herr und lect sich die Lippen. - Vor fünf Jahren? - Und seither, mein Herr? - Seither bin ich auf der Durchreise. Hauptsächlich in Wien. Merkt man es meiner Aussprache nicht an?

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