Déry Tibor: Különös árverés. Regények 1920–1942. Ein Fremder (Déry Archívum 4. Petőfi Irodalmi Múzeum és Kortárs Irodalmi Központ, Budapest, 1999)

- Nein - wähnt Cili. - Aber warum brummen Sie? Diese Antwort stärkt zwar einerseits das Selbstvertrauen, ist aber andererseits doch beschämend Dr. Szerb mag junge Mädchen nicht, immer hat er sich eher zu Frauen hingezongen gefühlt. - Warum sind Sie nicht aus Frankreich sofort nach Hause gekommen? ­fragt der standhafte alte Herr. - Haben Sie sich nach vier Jahre Gefangenschaft nicht nach Hause gesehnt? - setzte er schlau hinzu. - Doch! - sagt Dr. Szerb ohne innere Überzeugung. Er hat das Gefühl, als würde seine Nase schwitzen, doch traut er sich nicht, das Taschentuch zu ziehen, denn nun hat ein jeder seine Bücke auf ihn geheftet. - Ich weiß selbst nicht, warum ich nicht nach Hause gekommen bin ­brummt er und zuckt mit den Schultern. - In Wien bin ich ausgestiegen und habe geheiratet. Allerdings habe ich mich schon nach zwei Monaten von meiner Frau scheiden lassen, so hätte ich also nach Hause kommen können ­bemerkt er reuevoll. Kühle Stille belohnt seine Aufrichtigkeit. Die dicke Dame neben dem Fenster hat das Gefühl, als hätte man sie sozusagen zum Narren gehalten. Niemand kümmert sich um sie, sie fühlt sich aus dem Gespräch ausge­schlossen, mit sehr gleichgültigem Gesicht blickt sie zum Fenster hinaus. Wie lange wird der Zug noch stehen! Auf der Landstraße zieht ein Heu wagen daher, Bauernmädchen sitzen obenauf und schlenkern mit den nackten Beinen. Den wollte ich nicht heiraten, denkt Cili. Dem schwitzt doch die Nase! Ich müßte ihn eigenhändig waschen! - Was ist ihre Beschäftigung? - fragt der bärtige alte Herr - wenn ich mir die Frage erlauben darf. - Journalist. Natürlich! denkt sich die dicke Dame. Wenn Dr. Szerb fühlt, daß ihm seitens einer fremden Zuhörerschaft allgemeines Mißtrauen zuteü wird, so tut er alles Mögliche, um die ungünstige Lage noch zu verschlechtern. Anstatt größere Zurückhaltung zu üben, anstatt den Ton zu mäßigen versucht er ungeschickt offenherzig, wie die naiven Menschen, mit zwiefach betonter Vertrautheit den Feind zu gewinnen, der ihn überhaupt nicht interessiert. In solchen Fällen gerät der Mensch in peinüche Lagen. - Glauben Sie mir, sagt er mit funkelnden Augen, es ist ganz gleich, wo man lebt. Die Ereignisse machen sich von dem menschlichen Willen unabhängig. Sehen sie Fräulein, um ihnen ein Beispiel zu zeigen, ich habe nur geheiratet, weil ich meinen Kragenknopf verloren hatte. Cili lacht. - Aber natürlich, sagt Dr. Szerb mit ernstem Gesicht. In Wien habe ich am ersten Nachmittag eine französische Sprachlehrerin besucht, die ich noch aus

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