Déry Tibor: Különös árverés. Regények 1920–1942. Ein Fremder (Déry Archívum 4. Petőfi Irodalmi Múzeum és Kortárs Irodalmi Központ, Budapest, 1999)
Zwischen der runden Dame und dem jungen Mädchen sitzt noch ein dritter Reisender. Stundenlang hat er seelenruhig geschlafen, nun wacht er plötzlich auf. Er reckt sich, dehnt den jungen Körper, schon lacht er, ausgeruht, mit blitzenden Zähnen, und schaut zum Fenster hinaus. - Was gibt's? - fragt er erstaunt. - Warum stehen wir auf offener Strecke? Niemand antwortet ihm, nur die Kuh blökt gelangweilt in der Ferne. - Warum stehen wir? - wiederholt der Junde und gähnt lustig. Da geschieht ein Wunder. Die Stille, die sich undurchdringlich über die Gegend gelegt hat, wie ein weißes Tuch über das Gesicht eines Toten, zerflattert. Der sanfte Schweigende hat plötzlich den Kopf erhoben - als ob ein Toter das Leichentuch herabschütteln würde -, er öffnet den Mund, zum ersten Male im Laufe der Reise, seitdem die Reisegenossen an der ungarisch-jugoslawischen Grenze in sein Abteil eingedrungen sind. Er spricht etwas undeutlich, mit schlechter Atemeinteüung. Die dicke Frau hat kein Wort vön dem Gebrumm verstanden. - Wie? - fragt sie. - Was sagen sie? Warum ist der Zug stehen geblieben? - Wir haben jemanden erfahren - wiederholt er. - Mein Name ist Dr. Ludwig Szerb, setzt er überlegen hinzu und schaut sich wie um Vergebung bittend, lächelnd im Kreise um. - Was sagen sie? ... Wen hat der Zug überfahren? - Das junge Mädchen lacht mit heller stimme. - Woher wissen sie, daß wir jemanden überfahren haben, sie sitzen doch die ganze Zeit ... Auch der alte Herr ist ob des Wunders aus seinem Schlummer gefahren. Er erwacht leise, wie ein Hase, ohne Husten, ohne Krächzen, er gähnt nicht, er dehnt sich nicht, er ist nur unsagbar erstaunt. - Der Zug hat jemanden überfahren? - fragt er. - Hehe, woher wissen sie es? Wen haben wir überfahren? - fragt er. Es ist nicht festzustellen, ob das kindische Greisenalter, oder sanfte Ironie ihn zu dieser Frage bewegt. Die Insassen des Abteüs horchen in die heiße, sonnenbeschienene Stille hinaus, die so weich summt, als ob sie alle die sanften Dulder einschläfern wollte, die in den glühenden Muscheln des Zunges sitzen. - Wir sitzten im letzten Wagen - sagt der alte Herr -, wenn also der Zug vorn jemanden überfahren hat ... Dr. Szerb richtet die ein wenig vorstehenden Augen auf den alten Herrn. - Der Zug hat einen grauhaarigen Bauern überfahren - sagt er. - Sein Pferd hat gescheut, als er über das Gleis fahren wollte. Der Alte ist vom Bock gefallen, hat das Bewußtsein verloren und ist auf den Schienen Hegen gebheben! Die vier Reisenden betrachten schweigend Dr. Szerb. Die rundliche Dame ist aufgeregt, der alte Herr zuckt mit der Schulter, doch Cili, in der