Déry Tibor: Knockout úr útijegyzetei. Elbeszélések 1930–1942. Erzählungen aus den Reiseerlebnisse des Mr. Knockout (Déry Archívum 3. Petőfi Irodalmi Múzeum, Budapest, 1998)

Deutsche Texte

über wie und wo und warum... nein, das wußte ich nicht. Jetzt wollte es versucht werden. Ich stand vor dem Tor der Bibliothek, es regnete wie noch nie, mein Herz klopfte und ich betrachtete, am ganzen Körper zitternd, einen schauerlichen Riesen, der in goldstrotzender Uniform hinter der Glastüre stand, mit einem Schnurrbart, spitz wie zwei Lanzen und seinen flammenden Blick keinen Augenblick von mir abwendete. Dann faßte ich mir ein Herz und lief so rasch ich konnte, hinein, an dem Riesen vorbei, durch eine Türe, die ich offen fand, ich hörte noch, wie der Riese mir etwas nachrief, dann kam ich in einen großen Saal, in der Ecke sah ich einige Menschen stehen mit dem Rücken zur Türe, ich stürzte hin, die Menschen standen vor einem Kasten mit unendlich viel kleinen Schubladen, blätterten kleine Kartonblätter, auf denen Buchstaben und Nummern standen, ich blieb stehen und schaute sie erstaunt an. Von meinem Rockkragen flöß das Wasser auf den Fußboden hinab. Im nächsten Augenblick fühle ich im Nacken einen warmen Atem, ich drehe mich um und sehe den goldstrotzenden Riesen vor mir stehen. - Was suchen Sie? - fragt er. Seine Stimme war dicker als meine Hüften. Bitte, ich habe ihm in meinem ersten Schrecken das erste beste Kartonblatt, das mir in die Hand kam, hingehalten. Er schaut mich an, nimmt mich bei der Hand, führt mich zu einem Tisch, gibt mir einen Sessel. - Warten Sie! - sagt er. Ich war so erschrocken, daß ich mich kaum traute, Atem zu holen. Volle zehn Minuten saß ich da und rührte kein Glied. Nach zehn Minuten sehe ich, wie sich die Türe öffnet, der Goliath erscheint, mit einem kleinen Rollwagen vor sich, auf dem ein großer Haufen Bücher in Großformat, etwa wie ein Lexikon, liegt. Ich sehe verblüfft, wie er geraden Weges auf mich zukommt. - So! - sagt er, indem er vor mir stehen bleibt. Etwas lange gedauert, was? Und damit schleudert er seine Ladung auf meinen Tisch, dreht sich um und verschwindet. Ich öffne die Bücher. Das erste, das dritte, das achte, es waren insgesamt acht Stück. In jedem einzelnen waren unendlich viel Bilder von Kanarienvögeln und unendlich viel Text, von dem ich kein Wort verstand, da es in einer fremden Sprache verfaßt und mit Cyrill-Buchstaben gedruckt war. Es war ein achtbändiges Standardwerk über Kanarienvögel, bitte!Also am ersten Tage schaue ich mir die Bilder an, bis abends acht Uhr, sie waren alle gelb, bald wurde mir gelb vor den Augen. Den nächsten Tag regnete es wieder, ich gehe in die Bibliothek und freue mich auf ein anständiges Buch. Kaum trete ich in den Saal, da kommt mir schon der Goliath entgegen und lächelt über das ganze fette Gesicht. - Ich habe Ihnen die Kanarienbücher aufgehoben, sagt er freundlich. Damit Sie nicht wieder so lange warten müssen!

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