Déry Tibor: Knockout úr útijegyzetei. Elbeszélések 1930–1942. Erzählungen aus den Reiseerlebnisse des Mr. Knockout (Déry Archívum 3. Petőfi Irodalmi Múzeum, Budapest, 1998)

Deutsche Texte

Vorwort Am Anfang der dreissiger Jahre beobachten wir einen der wichtigsten Wendepunkte an der schriftstellerischen Laufbahn unseres Autors. Nach der Rückkehr aus der Emigration im Jahre 1926 war seine Tätigkeit nicht sehr erfolgreich. Obwohl die literarischen Zeitschriften verschlossen sich nicht vor seinen Werken, - es ist sogar ihm gelungen im Jahre 1928 und 1929 zwei Gedichtbände zu publizieren -, konnte er sich in die ungarische Literatur nicht organisch einfügen und Wurzeln zu fassen. Die allgemeine Kunst­betrachtung war der Avantgarde gegenüber feindlich eingestellt und besonders verständnislos gegen die surrealistischen Experimente. Mit seinem „up to date" europäischen Ansichten fühlte sich Déry als ein Fremder im konser­vativen öffentlichen Leben des Landes. Vom 1927 an war sein Unbehagen auch von Problemen seines Privatlebens stark beenflusst. Er war sterblich verliebt in die Frau eines berühmten Schriftstellers. Seine leidenschaftliche Beziehung hatte aber - wegen verschiedenen, vor allem materiellen Gründen ­keine Zukunft. Infolge seiner widerspruchsvollen Gefühle suchte Déry oft Zuflucht im Ausland. Im Jahre 1928 verbrachte er mehrere Monate in Italien, 1929 in der Tschechoslowakei, und nach ihrer Scheidung - in Deutschland und in Skandinavien. Am Anfang Oktober 1931, nach seiner Rückkehr aus Norwegen und Schweden entschied sich Déry in Berlin zu leben und versuchte als deutscher Schriftsteller Fuss zu fassen. - Obwohl das Deutsche seine Muttersprache war, und obwohl er sich so mündlich, wie schriftlich frei ausdrückte - seine plötzliche Entscheidung endete mit Fiasko. Das war aber ein besonderer Misserfolg. Als deutscher Schriftsteller konnte er sich - ohne Zweifel - nicht durchsetzen. Anderseits riefen aber die in Berlin verbrachten Monate bis Ende 1932, neue Bekanntschaften mit der Repräsen­tanten des politischen und künstlerischen Lebens und vor allem mit dem antifaschistischen Widerstand eine grundlegende Umgestaltung in seiner geistigen Haltung hervor, die er in seiner Autobiographie aus dem Jahre 1955 folgendermassen zusammenfasst: „In meinem vierzigjährigen Alter nach einer fünfzehnjährigen Kraftanstrengung kehrte ich zu der Wirklichkeit zurück, schliesslich wurde ich zum Schriftsteller, vom Rebell zum Revolutionär." Nächstes Jahr zog er sich nach Dubrovnik zurück, wo er an seiner kleinen Trilogie unter dem Titel Angesicht zum Angesicht arbeitete, die sich mit den moralischen Problemen des antifaschistischen Widerstands beschäftigt und eine neue - zum Realismus nähernde - Ausdrucksweise verwendet. Dieses in

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