Déry Tibor: Kék üvegfigurák. Elbeszélések 1920–1929. Versek 1916–1937 (Déry Archívum 2. Magyar Irodalmi Múzeum, Budapest, 1998)
Erzählungen
Unten, aus den Dachkammern, strömt Jodoformgeruch und verbundene Köpfe beugen sich aus den Fenstern. Ein blasser Beamter legt sich vor den Zug und öffnet seine undurchsichtige Brust. Ihr kleinen Waisen! Glasfaden schleppt ihr in den kotigen Strassen und seid erschrocken: wer rast mit Mondaugen hinter euren Röckchen! Aus den Schlachthäusern schweben mit grossen Kuheutern die Seelen empor und entfliehen in die Kammern, in die Abtritte und unter die Betten der Menschen. Jungfrau! Du kannst in kein Kino mehr gehen, dein Goldhaar ist ausgegangen. Der Friedhof fliegt über die Stadt und lässt giftige Gase vor die Pforten fallen. Schöne weisse Frau vergiftet ihre sieben Töchter. Legt euch quer übereinander, wie die Leichen und lasset den Turm der Unglückseligkeit aufbrechen. Jetzt gibt es viele Tote. Jetzt ist auch schon die Luft Gift, vielleicht wird sie den Feind töten. Vielleicht stolpert er über jenen Kuss, den sich zwei fremde Menschen im Strassengraben geben. Vielleicht stürzt er herunter und stirbt schrecklichen Todes. Vielleicht erreichen ihn die Glasfiguren! Er drehte sich in der Luft um und stürzte schreiend herunter. Eine grosse graue Lache bildete sich um seinen Körper - vielleicht Blut? Die Verfolger fassten sich an der Hand, sausten ihm mit beklommenem Herzen nach. Bald werden sie ihn einholen. Die Friedhöfe erglänzten. Doch die mittlere Glasfigur schrie plötzlich auf, blieb stehen, verwandelte sich in dichte Erde, stieg mit zugeklappten Flügeln rasch zur Erde nieder. Da lag ein Mensch mit einer blutenden Wunde, die wie ein Solitär auf seiner Stirne leuchtele. Sie setzte sich neben ihn. Die zwei Glasfiguren rannten dem Schatten nach, aber ihre Füsse waren langsam und zitternd, wie die der Seiltänzer. Und der Schatten lachte wie ein Hirsch über den Wäldern. Die Glasfiguren streckten die Arme aus. sie ermatteten. Sie hingen in der Luft, ein Gähnen des Grauens spannte ihren Mund, der Schatten enteilte und schwenkte wie eine langgestreckte Linie hinter die Mauern. Die mittlere Glasfigur sass unten auf der Erde, neben dem kranken Menschen und weinte. - Warum hast du uns verlassen? - klang von Weitem die schmerzliche Frage, klang und erstarb zwischen den Rollen. Aber der Körper des Krankenwärters war bereits in taube Erde verwandelt und die Tränen umfingen ihn, wie ein unsichtbarer Drahtkäfig. Die Glasflguren hingen über dem Wald und keuchten. - Nie? - fragte die Älteste und der Kopf fiel ihr auf die Brust. Die Jüngste sagte: - Blut, Blut, überall Blut, und jetzt wird das letzte Tier sterben. -