Déry Tibor: Kék üvegfigurák. Elbeszélések 1920–1929. Versek 1916–1937 (Déry Archívum 2. Magyar Irodalmi Múzeum, Budapest, 1998)

Erzählungen

Der Kranke erhob sich ächzend vom Pflaster, er hustete und wischte sich den Schweiss von der Stirne. - Komm! - sagte die Glasfigur und griff ihm mit barmherziger Hand unter die Achsel. Aber der Kranke liess sich wieder auf den Asphalt nieder. - Wohin? - fragte er und spuckte aus. - Die Spitäler sind voll und übrigens will ich auch nicht in stinkenden Kabinen sterben. Hier wiederkäue ich still, strecke manchmal den Fuss aus, die Menschen stolpern und fallen auf die Nase. Darüber lache ich. ­Es war kalt, im grossen Wind klirrten die Glaslampen, eingewickelte Ratten liefen mit starkem Jodoformgeruch aus den Kanälen heraus. Der Kranke fing sich eine mit langen Fingern, zerbrach sie in zwei Stücke und ass sie auf. Die Glasfigur sagte: - Ich liebe dich, denn der leidende Mensch ist sanft und gut, wie ein Bissen Brot. Auch ich will leiden. Stich mir die Stime durch! ­- Die Menschen würdigen es nicht genügend, dass ich unglücklich bin ­sagte der Kranke. - Warum binden sie mir keinen Kranz aus Veilchen und Anemonen um das Haupt? Zur Strafe biss ich gestern meiner Frau das linke Ohr ab. Es war geschmacklos. ­- Ich will leiden - sagte die Glasfigur und schlug die Stime gegen das Pflaster. Es war so kalt, dass das Kalb im Leibe der Kuh erfror. Vor dem Ausschank schaukelte eine lila Blechlaternc im Wind, viele Menschen hinkten durch die Türe, ihre Köpfe leuchteten wie Glutenkisten. - Guten Abend ... guten Abend! - sagten sie, murmelten und entschwebten über dem Friedhof. Der Kranke beugte sich ihnen mit langem Halse nach und biss sie in die Fersen. In den Strassen krochen wie Würmer grossköpfige, gelbe Kinder hemm. - Ich werde sie zertreten - sagte der Kranke - denn unziemlich kitzeln sie mir die kranken Sohlen. Wer erbarmt sich meiner, der ich arm und unglückich bin? ­Stich mir die Stime durch! - sagte die Glasfigur. Der Wind zerbrach die Laternen, die Scherben fielen auf den Asphalt. Ein durchleuchtetes Spital Hess sich vor ihnen zur Erde nieder, die Thermometer klirrten und aus den Fenstern beugten sich weissgekleidete Krüppel und zeigten ihnen die Zungen. Der Kranke wütete und schäumte. - Ich bin kränker als jene - schrie er - zündet das Spital an. Oh, grosser Engel, hebe deine Augenlider auf und betrachte diese Verfluchten! ­Das Spital verschwand, ein breiter Friedhof streckte sich vor ihnen im Schnee aus. Die Toten sassen auf der Erde und lasen sich gegenseitig ihre Grabinschriften vor. Der Wind legte sich, der Friedhofswächter schnarchte

Next

/
Thumbnails
Contents