Déry Tibor: Kék üvegfigurák. Elbeszélések 1920–1929. Versek 1916–1937 (Déry Archívum 2. Magyar Irodalmi Múzeum, Budapest, 1998)

Erzählungen

- Was isst du? - fragte der Schatten und tanzte einen leisen Shimmy zwischen den Sträuchem. - Nichts! - sagte der Goldgräber, legte die Hand an die Stirne und bespie die kieselige Promenade. Schreiend lief er ihnen nach. Der Schatten streute Nordlicht aus seinem Rock zwischen die Menge. - Was isst du? - fragte er. - Wenig - sagte der Jäger und trat in die Reihe. Sie schrieen und die spiritistischen Tische schwebten tänzelnd über ihren Köpfen. - Daraus wird grosses Unglück! - sagten die Glasfiguren und liefen rasch, wie erschreckte Lämmer in die Stadt. Der Schatten hatte schon seit Monaten nichts gegessen, sein Bauch war rot vor Hunger, er schaute sich zufrieden seine Herde an und tat mit der Zunge so: tje-tje. Die Tierchen horchten erschrocken auf. Vom Himmel tropfte Speichel. Sie liefen verwirrt hemm. Die Wachtfeuer verlöschten. Es wurde finster. Eine Hyäne und ein Hund fingen an einen grossen Turm zu bauen, aber sie konnten ihn nicht beenden. Im Meer schliefen die elektrischen Fische ein. Eine Frau gebar ein Kind, das Kind verheiratete sich, Enkel streichelten seinen langen Bart, es starb. Alles starb. - Sag dreimal: Goldapfel! - flüsterte der Schatten und setzte ein junges Ehepaar auf die Spitze seiner Zunge. Die Glasfiguren starrten zitternd auf die in den Strassen brüllende Menge. Den Männern wuchsen Fahnen aus den Ellbogen, die Frauen lagen in den Kanälen und liessen schwarzes Gebrüll zum Himmel steigen. Ein Stein fing an zu rollen und sticss einen Skorpion, der Skorpion zwickte einen Hund, der Hund lief und biss ein Pferd, das Pferd bäumte sich und versetzte einem Menschen einen Tritt, der Mensch biss in die Kehle seiner Mutter und sagte: ­Warum hast du mich geboren? - Der Schatten frass unaufhaltsam, den Bauch zum Zerplatzen, er klatschte mit den Händen und lief mit einer Schnelligkeit, dass die Verfolger ihn beinahe aus dem Auge verloren. Die Glasfiguren sagten: - Der Schatten ist lächerlich und dumm. Dümmer und lächerlicher, wie eine verdorbene Wanduhr. Und doch werden wir mit ihm nicht fertig. Stille Trauer, erblühe in unserem Herzen! - Sie schwammen über die Wiesen. Die Nacht war gross, die Menschen waren überall unglücklich. In grossen Gruppen standen sie im Freien und schauten auf den Himmel. Aber sie sahen nichts, vergebens galoppierten mit Feuer im Munde die Glasfiguren zwischen den Wolken. Es war ganz still unter dem Wasser und über dem Wasser. Vom Baum fiel ein Eisenapfel, zerbarst in Schnitte, aus dem Gehäuse flog kreischend eine rote Fledermaus und spuckte in die traurigen Gesichter. Die Vögel verkrochen sich unter die Erde. Man erwürgte einen Hund. Regen fiel.

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