Déry Tibor: Kék üvegfigurák. Elbeszélések 1920–1929. Versek 1916–1937 (Déry Archívum 2. Magyar Irodalmi Múzeum, Budapest, 1998)
Erzählungen
Er ist mager und wird nie sterben N achts blies starker Wind, jagte grosse Schwärme summender Goldiiiegen gegen die Stadt. Der Fotograf beachtete sie nicht, als er das Glasdach öffnete. Er legte sich schlafen. Um Mittemacht tanzte der Vogel durch die Öffnung ins Atelier, schrie laut und weckte den Schläfer auf. - Ich möchte noch schlafen - sagte der Fotograf, denn er hielt die Augen des Vogels für Morgenröte und glaubte, dass unten auf dem Asfalt die Mistwagen kreischten. Dann warf er sich auf die Knie, weinte und flehte um Gnade. Der Vogel aber sass ruhig auf dem Dach des fotografischen Apparates. Er sagte: - Lüge nicht, sonst beisse ich dir in die Kehle! - Ich habe kein Brot und keinen einzigen Stem - sagte der Fotograf und sprang jammernd in die Dunkelkammer. Doch der Vogel nahm ihn beim Haar und zog ihn zurück. Die Mäuse piepsten scharf und beleuchteten mit gespenstischen blauen Laternen den Fussboden. - Ich hab's! - schrie der Vogel und zog aus den Ritzen des Parketts die Fotografie der blonden Jungfrau heraus. Der Zeitungszusteller legte kalte Umschläge auf die Stirne des Fotografen, die Milchfrau rang die Hände. - Ich bin zu spät gekommen - sagte der Bäckergehilfe - er flog gerade zum Fenster hinaus. - Die ganze Versammlung jammerte laut, draussen donnerte der Himmel und rote Blitze kreuzten über dem Glasdach. Der Regen strömte wie aus Eimern und die gedunsene Leiche eines Säuglings schwamm auf den Wellen des Kanals vor dem Fenster vorüber. Der Vater der geraubten Jungfrau erschien in Trauerkleidern im Atelier und riss sich mit den Nägeln die Brust blutig. Der Vogel aber tanzte unsichtbar über den Wolken und wohin er trat, wuchs grosses Unglück. - Du wirst sterben - sagte die Mutter des Fotografen, als sie nach Monaten ihren Sohn wiedersah. Er sass unter dem Tisch, auf dem Fussboden lag zerstreut sein ausgefallenes blondes Haar. - Seit drei Monaten hat er keinen Bissen gegessen - sagte die Hausmeisterin und lief jammernd auf die Strasse. Ein leuchtendes blaues Mal erschien in der Stirne der Mutter. Sie löschte das elektrische Licht aus und gab dem Fotografen aus ihre Brüsten zu trinken. Dann starb sie. Dem Fotografen wuchsen die Haare wieder heraus, er stand auf und zündete das Atelier an. Im Wald, zwischen den glühenden Erdbeeren, lauerte er dem Vogel auf. - Gib sie mir nur auf eine Stunde zurück! - sagte er - dann kannst du mir die Kehle durchbeissen. -