Török Dalma (szerk.): Heinrich von Kleist. Miért éppen Kleist? (Budapest, 2016)
Függelék - Az irodalmi szemelvények lelőhelyei - Rövidítések jegyzéke
von etwas Grundlegendem. Adorno nannte es „die unaufhaltsame Regression“2, Novalis hingegen sprach davon, dass sich „ein echtes Perpetuum mobile, eine sich selbst mahlende Mühle“ ausbreite, allmählich erkennbar hinter der vermuteten Entfaltung der Vernunft und der scheinbaren Geradlinigkeit des Fortschritts. Vielleicht ist das der Grund, warum das Interesse an Kleist in der vergangenen Zeit wesentlich zugenommen hat. Die Kunst Kleists ist eine Antwort von ebenso großem Format auf die Krise Anfang des 19. Jahrhunderts, wie es die Kunst des zeitgenössischen Malers F. Goya gewesen ist, dies formuliert Theodor Hetzer3 in seinem glänzenden Essay. Die Kunst Kleists ist Teil jener neuen Episteme, die nicht mehr von der Repräsentation beherrscht wird und bei der mit der Formulierung Foucaults die Inkompatibilität zwischen dem Dasein des Menschen und dem Dasein der Sprache* zu einem fundamentalen Zug unseres Denkens wird. Dieses Nicht-Übereinstimmen, die unaufhebbare Spaltung und die chiastische Struktur des Sichineinanderfügens, letztendlich der Hiatus zwischen dem Dasein und dem sprachlichen Gedanken sind gleichermaßen das bestimmende Prinzip von Kleists Essays und Werken. Am eindeutigsten kommt dies in seinem Aufsatz Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden zum Ausdruck, aus dem auch das im Titel zitierte Satzfragment stammt. Kleists Satz lautet im Ganzen wie folgt: „Denn nicht wir wissen, es ist allererst ein gewisser Zustand unsrer, welcher weiß.“5 Wir sollten diese glänzende Erkenntnis Kleists durchweg im Blick behalten, doch wesentlich ist dabei jetzt nicht, inwiefern er die Sprachauffassung von Schlegel oder Novalis weiterführt und die Hermeneutik von Schleiermacher und Humboldt vorbereitet. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass ein sich auf dem Weg der Sprache oder gerade in deren Fehlen, mit dem Schweigen (Holz spricht in seinem überaus interessanten Buch Macht und Ohnmacht der Sprache von dem „beredten Schweigen“) äußernder Mensch und die Antwort auf die in die Äußerung gefasste Situation in einer produktiven Nicht-Gleichzeitigkeit existieren. Diese Nicht-Gleichzeitigkeit hat selbstverständlich zur Folge, dass man die von der Situation, vom Zustand erforderte Antwort entweder übereilt oder nur verspätet äußert - das heißt, von einem optimalen Zusammenfall kann nie die Rede sein, und das ist im menschlichen Dasein eine ewige Quelle des Konflikts. Andererseits ist die vollkommene Beherrschung des Zustandes durch die Vernunft - in den der Mensch mit seinem Dasein immer „geworfen“ ist - durch die Sprache reine Illusion, das heißt, und das ist zum Verständnis der Kunst Kleists unerlässlich, die 139