Török Dalma (szerk.): Heinrich von Kleist. Miért éppen Kleist? (Budapest, 2016)

Függelék - Az irodalmi szemelvények lelőhelyei - Rövidítések jegyzéke

sprachliche Unbeherrschbarkeit des menschlichen Zustandes, das unauslöschliche existenzielle Mehr des Zustan­des — unter dem wir natürlich ebenso die aus dem nicht Erkennen entspringende und entstehende Tragödie verstehen —, die Abgründe zwischen dem zu Erzählenden und dem Aussprechbaren sind unüberwindbar. All das stellt selbstverständlich nur eher die wohl bekannte Grundstruktur der sprachlich reflektierten Kunst Kleists dar, denn wirklich beachtenswert ist, wie sich das Wort verändert, in gegebenem Fall vollkommen un­klar wird, und das manchmal genau Gedachte durch eine zu deutende Geste oder das sich rein gefühlt Äußernde Kunde von sich geben. Die von der Situation erforderte vielschichtige Antwortmöglichkeit geht weit darüber hinaus, was der Mensch in dem gegebenen Augenblick und in der Situation fähig ist zu sagen. Ande­rerseits, und das ist ebenso eine bedeutende Erkenntnis der deutenden Gedanken Kleists zum sprachlichen Funktionieren des Menschen, inwiefern die durch den Zustand ausgelöste sprachliche Antwort nicht bedeutet, dass die gegebene Antwort in diesem mit anderen geteilten Zustand auch für andere eindeutig ist. Wesentlich ist auch, dass der wechselnde Zustand des Daseins das Aussprechen nicht in jeder Situation zulässt, denn be­stimmte Gedanken sind nicht mehr als verschwommene Vermutungen, die jedoch damit in Zusammenhang stehen, was wir in Wirklichkeit suchen und aussprechen wollen oder möchten. („Aber weil ich doch irgendei­ne dunkle Vorstellung habe, die mit dem, was ich suche, von fern her in einiger Verbindung steht ...“)6 Viel­leicht ist es nicht überflüssig, wenn ich hier darauf verweise, dass Kleist explizit von der Hebeammenkunst der Gedanken gesprochen hat, das heißt von jenem vorher nicht fixierbaren Prozess, in dem mal durch Fragen, mal durch den Blick in das Gesicht des anderen oder seine bloße Gegenwart etwas geboren wird. Dies ist jedoch, und das sollten wir uns im Hinblick auf die Werke gut merken, nicht der Glanz der Wahrheit in Form der Geburt eines göttlichen Gedankens, sondern kann ebenso eine Missgeburt sein. Der entstehende Gedanke, die vom Zustand erforderte Antwort“ (die sich sprachlich oder rein für die Wahrnehmung offenbarende Ver­änderung, das menschliche Innere gibt in den vielfältigsten Formen Kunde von sich oder anders gesagt verrät sich) kann sowohl lösend als auch grauenerregend sein. Das bedeutet natürlich auch, dass der mit Gedanken schwanger gehende Zustand früher oder später eine Antwort gebiert, sei dies eine bloße Geste oder gerade eine der Nicht-Aussprechbarkeit entspringende Schamesröte. Ernst Cassirer ging in einem 1932 gehaltenen Vortrag auf diesen außerordentlich reichen Essay Kleists ein: „Er [Kleist] geht davon aus, daß die Leistung der Rede sich keineswegs darauf beschränkt, zuvor bestehende 140

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