Török Dalma (szerk.): Heinrich von Kleist. Miért éppen Kleist? (Budapest, 2016)
Függelék - Az irodalmi szemelvények lelőhelyei - Rövidítések jegyzéke
GÜNTER BLAMBERGER: KLEISTS BEUNRUHIGUNGSKRAFT Im November 2011 war in der Galerie des Collegium Hungaricum in Berlin das vielleicht eindrücklichste Gedenkbild zu Kleists 200. Todestag zu sehen, eine wunderbare Installation, kuratiert von Gabriella Gönczy. Ein Foto-Panorama der Landschaft um das Kleist-Grab am Wannsee, der jede Novemberhärte und jede harte Wirklichkeit des Todes genommen war, durch sanfte Schleier, durch zarte lange durchsichtige Vorhänge, die sich im leichten Wind bewegten wie die Bäume und Wasser des Wannsees, welche sie spiegelten. Zugleich gaben sie den Schwebezustand zwischen Leben und Tod wieder, in dem sich Heinrich von Kleist und seine Todesgefährtin Henriette Vogel in ihren letzten Stunden befanden, die Anmut und Würde, mit der sich die beiden getötet hatten, frei und heiter. Ebenso wie ein in der Mitte des Raumes schwebender Bildschirm, auf den ein zeitgenössisches ungarisches Singstück projiziert wurde, verfasst von András Jeles, László Melis und András Forgách. Kleist meghal heißt es, Kleist stirbt. Leise und unaufdringlich wurde hier die Todeslitanei gesungen, der berühmte Wechselbrief, den die beiden Todesbereiten einander noch schrieben, respektvoll und spöttisch zugleich, ein grandioses Zeugnis dafür, dass beide „nicht an einem Defizit, sondern an einem Übermaß“ von Leben litten, wie László Földényi einmal schrieb. Vielleicht ist es dieses heute, in Zeiten mittleren Maßes, kaum mehr bekannte Übermaß, das uns an Kleists Leben und Werk so fasziniert, seine unbedingte Suche nach Glück und Wahrheit, die sich mit tiefer Melancholie verband, mit der Einsicht in die zwiespältige Natur des Menschen jenseits aller idealistischen Tröstungen, jenseits von Gut und Böse. Uns ganz gegenwärtig sind Kleists Novellen und Dramen darin, dass sie den Leser in den Zustand des Prekären, Nicht-Berechenbaren, Nicht-Gesicherten versetzen. Provozierend jedoch ist, dass Kleist im Werk wie im Leben den Kontrollverlust als Katalysator des Schöpferischen erkennt. Kleist richtete sich im zu Reformen unfähigen Wartesaal Preußen um 1800 keineswegs ein, mit der heute - im Wartesaal Europa - gegenwärtigsten aller Todsünden, der Trägheit des Herzens und des Kopfes. Niemals war er gleichgültig, niemals vermied er Risiken. Sein Credo war, dass man in Zeiten des Umbruchs lernen müsse, sich jeglichen Halts zu enthalten und lieber ins Neue, Unbekannte aufzubrechen. Prothoes Nachruf auf Penthesilea wird so zum Selbstporträt Kleists: „Sie sank, weil sie zu stolz und kräftig blühte! / Die abgestorbene Eiche steht im Sturm, 136