Török Dalma (szerk.): „Nekünk ma Berlin a Párizsunk”. Magyar írók Berlin-élménye, 1900-1933 (Budapest, 2007)

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In den Aufzeichnungen und Bekenntnissen der ungarischen Schriftsteller ist die Angst, die von den Ausmaßen der Stadt herrührt, die Angst vor dem Verirren, ein durchgängig wiederkehrendes Motiv. „Umhergetrieben zwischen den drohenden, braunen Stein­wogen Berlins, sah ich den gezielten Gang der sich beeilenden Menschen als straffe Fäden an, die von einer Person zur anderen gespannt werden. Ich bewegte mich, wie über einem riesigen Netz und befürchtete, ich würde hindurchfallen: ich, ein verwaister, umherirrender Fisch“, schreibt etwa Béla Balázs.23 Nach Meinung anderer resultiert die Schwierigkeit bei der Orientierung aus der Charakterlosigkeit, aus dem Mangel an Vergangenheit: „Berlin ist ganz ohne Charakter, jedes Haus ist gleich und jedes Haus unterscheidet sich auch. Nicht einmal der älteste Berliner findet nach Hause, und wenn er sich einmal in eine fremde Straße verirrt und wenn man jemanden im Schlaf in den Straßen Berlins auf die Bank legt, findet er bis zu seinem Tode nicht heraus, in welche Stadt er geraten ist."24 Selbst Dezső Keresztury, der Berlin sehr gut kannte und Jahre lang hier wohnte, schreibt: „Sich in Berlin zu verirren, ist kein Abenteuer, sondern ein Unglück. Die unüberschaubare Größe entmutigt, das fürchterliche Gewimmel reißt mit; und stürzt du dich hinein, verschluckt es dich und wirft nicht einmal deinen Leichnam ans Ufer.“25 Aus den Texten kristallisiert sich selbstverständlich auch ein spezieller Stadtplan heraus. Auf diesem sind zum einen solch signifi­kante Schauplätze, Straßen und Stadtteile wie etwa das Romanische Café, der Kurfürstendamm, die Tauentziehenstraße, der Zoo und der Tiergarten, oder die Friedrichstraße vermerkt, die im kollektiven Deutungsprozess in den zwanziger Jahren über eine differenzierte und herauskristallisierte Bedeutung verfügten, zum anderen aber jene Punkte, die die Emigranten als ihre eigenen Inseln markierten. Während vor dem Ersten Weltkrieg das Café Luitpold der Stammplatz der Ungarn war, sprechen sie in den zwanziger Jahren vom Nürnberger. Márai erwähnt noch eine gewisse ungarische Gaststätte in der Gegend der Augsburger Straße, wo ein aus Moskau eingetroffener ungarischer Volkskommissar seine Tränen beim Anblick von Gulasch und Salzgurken verschämt verbirgt.26 Die fremde Umgebung, das schillernde internationale Leben Berlins bieten für die emigrierten Künstler in natürlicherweise die Möglichkeit, ihre eigene ungarische Identität zu deuten oder einen allgemein als ungarisch verstandenen Charakter, die ungari­sche Mentalität mit ihren Erfahrungen zu vergleichen. So schrieb Menyhért Lengyel mit beißendem Spott über die Berliner Theaterbesucher, die ihre ungarische Herkunft betont präsentierten, aber auch Márai berichtete über seine sich in Volkstracht zu ungarischer Musik wiegenden Landsleute. Doch selbst er - der sich bemühte, sich der ungarischen Kolonie fernzuhalten - stellte verblüfft fest, dass die europäische Identität einen ungarischen Teil besäße und dass gerade der aufnehmende Charakter Berlins es für ihn zu einer Aufgabe mache, dieser Erscheinung mit Verständnis zu begegnen. So führe der Zwang zur Selbst­bestimmung zu einer psychischen Feinfühligkeit und zur Diagnose eines im Vergleich zu den Deutschen differenzierteren psychischen 1 9 1

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