Török Dalma (szerk.): „Nekünk ma Berlin a Párizsunk”. Magyar írók Berlin-élménye, 1900-1933 (Budapest, 2007)

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Typs. Zu lesen ist dies vielleicht im bittersten Ton in seinem Artikel Einige Jahre in Berlin, den ihn der „Furor teutonicus“ schreiben lässt und in dem er über die Berliner sagt: „Die Menschen hatten keine Seele. Alles mögliche hatten sie, Schulden, Füllfedern, Methoden, sie konnten sich vermehren und konnten die Vermehrung verhüten, aber eine Seele hatten sie nicht.“27 Und auch in ... doch blieb er ein Fremder heißt es: „Dieses Volk, dessen Musik destilliert und vollkommen reif war, schien die Halb- und Vierteltöne des Lebens nicht zu kennen. Nirgends konnte man so vollständig, in einer solchen geradezu wollüstigen Klarheit etwas besprechen wie in Berlin. Nirgends konnte man so wenig plaudern. Die auf das Lächeln folgende Nuance, diese kaum ausgedrückte ultraviolette Heiterkeit der Seele, ihr Zweifeln und ihre Verspieltheit zerlegte diese Sprache mit der Genauigkeit eines Chirurgen in ihre Elemente und überantwortete sie dem Tageslicht der nackten Logik, das keine unkontrollierbaren Nuancen duldete."28 Die im Übrigen vielerorts gerühmte Organisationsfähigkeit, der Fortschritt, die Dynamik und die Blüte der Kultur, die die ungarischen Verhältnisse in einem recht schlechten Licht erscheinen ließen, vereinfacht Andor Németh beispiels­weise zum Symptom der Seelenlosigkeit und der einfachen Funktion, indem er zunächst all diese Errungenschaften in ironischem Ton aufzählt, um dann die Schlussfolgerung daraus zu ziehen: „Es gibt alles, was man braucht; es gibt nichts, das überflüssig wäre. Weder in den Seelen noch in den Gesichtern. Der Ausdruck der Seele fehlt auf den Bildern. Die Seelendinge sind alle bereits aufgearbeitet und systematisiert. Die Sachen des Instinkts ebenfalls. Dies ist die offenste Stadt der Welt. Es gibt keine Geheimnisse: weder das Geheimnis der Seele noch des Körpers. Sag mir nur, kurz und entschieden, was du willst, so wirst du bedient."29 Die häufig von vielen beklagte und nicht allein in der ungarischen Literatur wiederholt auftauchende Gesichtslosigkeit, der uniformelle Charakter der Großstadt wandeln sich hier in eine Fiktion von der Volksseele. Wer diese Texte liest, lernt jedoch nicht nur eine Seite Berlins kennen. Ein immer wiederkehrendes strukturierendes Prinzip ist die Darstellung des Januskopfes der Stadt. Diese „Zweiheit“ kann auch - der Einfachheit halber - in thematische Gruppen ein­geteilt („aufgearbeitet und systematisiert“) festgehalten werden: als der Gegensatz zwischen der Natürlichkeit und Produktivität der Innenstadt (mondäne Welt, freie Moral, moderne Technik) und der kleinbürgerlichen Vorstadt; als der Widerspruch zwi­schen der Oberfläche (der Ordnung, Berechenbarkeit, der langweiligen oder beängstigenden Disziplin) und der Unordnung, der Unmoral, ja dem Poetischen des sich darunter verbergenden „anderen“ Landes, der „anderen“ Stadt; und schließlich als der Gegensatz zwischen dem glänzenden, Wohlstand sowie den Versprechungen des lockenden Zentrums und der ärmlichen, aus­sichtslosen, in jeglichem Sinn dunklen Peripherie. Einer der Essays von Karinthy etwa suggeriert diese Zweiheit bereits im Titel: Große Städte, kleine Leute. Der Autor spricht von dem Außenbezirk Friedenau, einem blühenden Viertel des Kleinbürgertums, und nennt die Innenstadt und die durch sie repräsentierte 1 92

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