Török Dalma (szerk.): „Nekünk ma Berlin a Párizsunk”. Magyar írók Berlin-élménye, 1900-1933 (Budapest, 2007)

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Dieser Dialog erinnert schon beinahe an die Humoresken von Karinthy, insbesondere an jene mit dem Titel Traum, die eben­falls in Berlin spielt und deren Held ein gewisser kleiner Beamter mit dem Namen Robert ist. Dieser geheime Fantast stattet im Traum geradewegs dem Kaiser einen Besuch ab, der ihm nach ein wenig Murren jeden Wunsch erfüllt: „Gut, gut... Brauchen Sie noch etwas?"12 Auch Karinthy selbst, der 1912 aufgrund einer so genannten galanten Angelegenheit einige Monate in Berlin verbrachte, verlegte die Gaststätten riesigen Ausmaßes, die Bier- und Würstchenpaläste, in seinem Bericht in eine (gewissermaßen groteske) Märchenwelt: „Liebes Papamama Budapest, weißt Du denn, dass die Häuser hier aus Kuchen sind? Am Anfang glaubte ich, sie machen nur Spaß, aber dann habe ich hineingebissen - ja gewiss, so ist es.“ Es wäre gewagt, auf der Grundlage einiger Beispiele zu behaupten, dass die Märchenhaftigkeit, die die Geschichten durchdringt, bezeugbar etwas mit der Atmosphäre der Friedenszeiten unter Wilhelm zu tun hat, zu jener Zeit, in der der Kaiser in einer sich in rasantem Tempo modernisierenden Elektropolis, in seinem eigenen Märchenland seine „Puppenallee“ errichten lässt.13 Und doch ist auffallend, dass die Reisen und selbstverständlich auch die Stadtbeschreibungen aus der Zeit nach dem Krieg eines solchen jovialen Tons vollkommen entbehren. Nicht nur der Ton der nach 1918/19 emigrierten Schriftsteller - jener, die sich also mehr oder weniger aus Zwang in Berlin auf­hielten - ist bitterer, und nicht nur bitterer, sondern schärfer, chaotischer, nervöser - moderner. Die Anziehungskraft der Stadt ist vielleicht noch größer als je zuvor. „Ich ging los, mich in Berlin umzuschauen. Es lebte und dröhnte um mich herum und sti­mulierte zur Arbeit. Ich empfand Kräfte, Lockungen, Möglichkeiten. Ein neuer Lebensabschnitt begann für mich, und er begann nicht übel."14, erinnert sich anderthalb Jahrzehnte später Sándor Márai an seinen „Ersten Blick" im Jahr 1921l5. Die Erinnerungen von Jenő Rejtő wirken, als hätte der Eindruck der Bekanntschaft mit dem Expressionismus, der Literatur der avantgardistischen Richtungen sowie der sogenannten filmischen Schreibweise (in Berlin) die Stimmung seiner Abreise nach Berlin (1927) im Nachhinein neu gestaltet: „Und der Zug raste, in ihm ich, die Scheinwerfer meiner Gedanken nach vorn gerichtet, mit riesiger Geschwindigkeit durch die Nacht. Meine Strahlen werden hier in diesem großen Dunkel des Abends neue Wege beleuchten und Berlin! Berlin! Ich gehe und erobere diese große Stadt voller Lichter, wo das Fieber der vielen mächtigen Häuser, der leuch­tenden Straßen, der Arbeit, der Produktivität, des Schaffens und der Schöpfung pocht."16 Es ist beachtenswert, dass in den Texten zu Berlin vor und nach dem Ersten Weltkrieg sowohl bei Balázs als auch Márai die Ankunft in der Stadt mit dem Beginn der „wahren" Jugend gleichgesetzt wird. Es scheint, diejenigen, die den neuen Abschnitt ihres Lebens in Berlin beginnen, seien nicht allein im biografischen Sinn jung, vielmehr lässt sie der Elan der Stadt, ihre Offenheit, Vielfältig­keit und ihr Charakter, der zum ständigen Experimentieren, zum immer währenden, niemals endenden Sinngeben veranlasst, der den erfinderischen Geist am Leben hält, „erneut“ jung werden. (Balázs trifft aus Budapest, Márai aus Frankfurt „alt“ in Berlin ein.I7) 1 88

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