Török Dalma (szerk.): „Nekünk ma Berlin a Párizsunk”. Magyar írók Berlin-élménye, 1900-1933 (Budapest, 2007)
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Das Verhältnis zur Stadt, die ungarische literarische Rezeption der Stadt waren vermutlich durch zwei Faktoren grundlegend bestimmt: einerseits durch die historisch-gesellschaftliche Situation, andererseits durch die verschiedenen Wege der Schriftsteller hinsichtlich ihres persönlichen Fortkommens. Wie bereits erwähnt, weckte das Berlin Wilhelms II. samt all seiner gesellschaftlichen Widersprüche das Gefühl der Prosperität, im Vergleich dazu folgten in der Hauptstadt des Besiegten in den Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg Unsicherheit und Angst erregende Ereignisse aufeinander: die Revolution, der Spartakusaufstand, die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, der Kapp-Putsch, der darauffolgende Generalstreik, die Ermordung von Rathenau, während die Hyperinflation auch die Überreste des Wohlstandes zu vernichten schien. Es ist allgemein bekannt, dass die „Goldenen Zwanziger“ in Wirklichkeit jene 4-5 Jahre des Überwindens der Krise, die Zeit von I 924 bis 1929, umfassten, und für einen sehr großen Teil der ungarischen geistigen Elite bedeutete dies die aussichtslosen Jahre der Emigration. In den ersten anderthalb Jahrzehnten des Jahrhunderts eroberten in erster Linie ungarische Theaterschriftsteller Berlin. Die Stücke von Sándor Bródy, Ferenc Molnár oder Menyhért Lengyel wurden an den Theatern Max Reinhardts (Deutsches Theater und Kammerspiele) gespielt, und die Autoren waren auch persönlich gut mit dem legendären Regisseur befreundet. Insbesondere Molnár, der häufig die Rolle des Reisegefährten einnahm (gemeinsam sahen sie z. B. 1912 in Paris die skandalöse Uraufführung des Russischen Balletts von Der Nachmittag eines Faun), in den zwanziger Jahren nahm er auf Einladung Reinhardts regelmäßig an den Salzburger Festspielen teil, und seine Ehefrau, Lili Darvas, war bei Reinhardt einer der meistbeschäftigten Stars. Molnárs Stücke wurden ab 1908 regelmäßig in Berlin aufgeführt, und am Anfang seines Kurzromans Die Dampfsäule erinnert er an seinen Besuch im Zusammenhang mit dem stürmischen Erfolg der Aufführung von Der gläserne Pantoffel im Jahr 1925. Berlin erscheint hier wie der Auslöser der Erinnerung an Budapest, an die Margareteninsel. Eine der „echten Berliner Ideen“ ist ein bojenartiger, elektrischer Verkehrsregulierer, in dem „Tag und Nacht ein höllenfarbenes, wildes, aggressiv starkes elektrisches Licht brennt“, und in der Fantasie des Autors erscheinen Ventile, die die Aufgabe haben, „dieser gärenden großen Weltstadt Erleichterung von den unterirdischen Fiebern, dem feurigen Boden zu verschaffen, der sich glühend in der Tiefe (...) erbricht“.18 Die Funktion des Bildes ist vielschichtig: Einerseits mythisiert, archaisiert es das Schreckensbild dieser kühlen Technik, andererseits nimmt es die Figur des bald als Dampfsäule erscheinenden, „teuflischen“ Kapitäns vorweg, den eine fürchterliche, vernichtende Energie ins Verderben treibt; drittens bildet es als Musterbild des Erfindungsgeistes, der Organisationskraft und des technischen Fortschritts einen Gegenpol zu der eher gentryartigen Welt der Bohemegesellschaft auf der Margareteninsel. Über seine Berliner Erfahrungen berichtet Menyhért Lengyel in der bereits erwähnten Autobiografie buch meines Lebens. Der später als Filmautor weltberühmt gewordene Lengyel, der zunächst in London an der Seite von Korda, später dann in Hollywood 1 89