Török Dalma (szerk.): Mantel der Traume. Ungarische Schriftsteller erleben Wien, 1873-1936 (Budapest, 2011)

Studien - Ilona Sármány-Parsons: ein begeisterter wiener mit ungarischer identität

hatte er doch auch hohen Respekt für andere, er suchte sich seine Meister mit einem unbestechlichen Gefühl für Qualität. Seine Vorbilder waren Ludwig Speidel, der Feuilletonchef der Neuen Freien Presse, der Musikkritiker Eduard Hanslick, auf dem Gebiet der Kunstgeschichte aber vor allem die deutschen Klassiker. Er musste beweisen, dass er vertrauenswürdig war. Hevesi war von seiner Arbeit besessen und gab auch das Schreiben für andere Organe nicht auf. Nach einer Pause von einem halben Jahr schrieb er wieder regelmäßig über Wiener kulturelle Themen für den Pester Lloyd und wei­tere ungarische Zeitungen, so zum Beispiel für die Vasárnapi Lapok [Sonntagsblätter]. Im Laufe der Jahre erschienen seine Artikel neben dem Fremdenblatt auch in anderen Fachzeitungen. Selbst wenn er in seinen Aufsätzen über Ungarn von „unseren Malern“ oder „unseren Schriftstellern“ spricht, wenn es sich um ungarische Künstler handelt, so fiel das den österreichischen Lesern nicht immer auf. Seine Kunst- und Theaterkritiken wurden stets nuancierter, vielschichtiger und klüger. Ihr Horizont erweiterte sich, seine immer differenziertere Sicht auf die Menschen und ihre Welt machten ihn mehr und mehr fähig, neue Kunstwerke zu verstehen und zu werten. Seine einfühlsamen und geistreichen Bildanalysen lehrten das Publikum sehen und Kunstwerke leidenschaftlich zu lieben. Vor allem ab Ende der neunziger Jahre veröffentlichte er seine Fachstudien und Kunstkritiken in vielen angesehenen deutschen Tageszeitungen, die damals auch gute Honorare zahlten. Nach 1900 wurde er von der angesehenen und in ganz Europa bekannten englischen Kunstzeitschrift (Studio) aufgefordert, die neue Wiener Kunst zu präsentieren. Die zweite wichtige Einnahmequelle für Hevesi war das Übersetzen, das er in beide Richtungen leicht und virtuos beherrschte. Er übertrug nicht nur Romane und Theaterstücke, sondern übersetzte zum Beispiel auch für die ge­waltige landeskundliche und ethnographische Enzyklopädie Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild die ungarischen Texte ins Deutsche. Die dritte Quelle seiner Einkünfte waren seine Bücher. Alle zwei oder drei Jahre erschienen in seinem Stuttgarter Hausverlag Bonz Sammlungen seiner Feuilletons. Diese kleinformatigen Büchlein enthielten vor allem heitere, hu­morvolle Novellen und Skizzen, der Autor legte bis zu seinem Tod großen Wert auf diese Publikationen. Bis in die neunziger Jahre präsentierten allein diese Schriften Hevesi auf dem deutschen Buchmarkt.13 Anfänglich waren für ihn 136

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