Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)

9. Über das Antidotarium des Barholomaeus Squarcialupis de Plumbino

61 behandelt. Der Aberglaube nimmt überhaupt einen auffallend bescheidenen Raum in unse­rem Antidotarium ein. ,,Tertium capitulum" bringt die apotropäischen Simplicia: jacintus rubeus, carbunculus, lignum e visca quercini. Die Composita des „Quartum capitulum" stammen größtenteils aus dem arabischen Arz­neischatz, wiez. B. ,,Tiriaca magna Andromachi'¦ ,,Mi riđa ųm magnum Nicolai", ,,Fumi­gium Rasis..." Im ,,Quintum capitulum" werden einige Simplicia und Composita gemeinsam bespro­chen. Vom „Capitulum sextum" an folgen dann die nach Indikationen zusammengestellten Rezepte. Betreffend die Zubreitung der Syrupi und Konfekte, besonders im fünften Kapitel, möchte ich auf eine andere Handschrift der Wiener Nationalbibliothek ((Cod. lat. 2317, Fol. 34v) hinweisen. Das Ms stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der Verfasser ist ein gewisser ,,Meister Albertus". Näheres über ihn läßt sich zur Zeit nicht aussagen. Teile der Handschrift hat schon Suđhoff studiert 6. Ihrem Ursprung nach gehört die Handschrift nach Italien und weist einige Ähnlichkeiten des Inhaltes mit dem Antidotarium des Bartholo Squarcialupis auf. Interessant ist, daß es sich um ein rein therapeutisches Pesttraktat handelt, ganz im Sinne eines speziellen Antido­tariums, wobei auch Aderlaßregeln gänzlich fehlen. Eigentlich ist das Ms. also eine Rezept­sammlung. Die ,,medicina administranda interius " ist ein Syrup, der auch bei Bartholo in dieser Form vorkommt. Die Feststellung, welche Beziehungen zwischen den Handschriften bestehen, möchte ich dem Fachhistoriker der Pharmazie überlassen, wozu auch die geplante Textausgabe dienen soll. Die „pillulae Rasis", mehrfach gepriesen in unserem Ms., werden fast in keinem der be­deutenden Pestschriften und Antidotarien des Spätmittelalters vermißt. Eine besonders aus­führliche Beschreibung der Eigenschaften und der Zubereitung dieser Pillen findet sich in der Handschrift ,,Regimen in pestilentia" des fürstlichen Leibarztes Cardo zu Mailand (um 1378) und diente als Vorlage für spätere Abschriften, wahrscheinlich auch Bartholomaeus Squarcialupis. Die Hs. war einst im Besitz des berühmten Nürnberger Arztes, Dr. Hartmann Scheđel 7. Wenn man die Quellen der einzelnen Teile bzw. Rezepte des Antidotariums des Bartholo Squarcialupis sucht, dürfen die Werke des Niccolo Falcucci 8 nicht außer acht gelassen wer­den. Seine „Sermones VII" füllen drei große Folio-Bände. Diese waren noch als Hand­schriften sehr verbreitet und sind früh zum Druck gekommen. Der ,,Sermo secundus de feb­ribus ' ' (Editio princeps 1491) enthält nicht wenige Rezepte, die auch von unserem Meister Bartholo benutzt worden sind, wie das aus den vielen, zum Teil wörtlichen Übereinstimmun­gen ersichtlich ist. Der betreffende Teil findet sich im „tractatus 2., summa 4.", in den Kapi­teln 8-12 der von uns benutzten Venediger Ausgabe von 1533 Fol. 181—182 9. 6 Sudhoff, K.: Pestschriften nach der Epidemie des „Schwarzen Todes" 1348, IV, in: Arch. Gesch. Med. Bd. 5, 1912, 337. 7 Staatsbibl. München, Cod. lat 323, fol. 119r-122v. 8 Nicolaus Florentiñus, in den Ausgaben der Sermones stets Nicolaus Nico ųs genannt, gestorben 1411. Von seinen Schriften ist ,,Commentum Nico ¡ super Aphorismos Hippocratis" 1522 zu Bologna gedruckt. Cf. Heñsçĥel, in: Janųs Bd. III. 42. 9 Auch in der Collectio veneta de febribus, 1570 abgedruckt.

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