Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)
9. Über das Antidotarium des Barholomaeus Squarcialupis de Plumbino
62 Der vielgereiste Meister Bartholo Squarcialupis benutzte auch den Aufenthalt in Padua zur Weiterbildung, sammelte Erfahrungen und gewiß auch Texte bzw. Rezepte. So ist es garnicht erstaunlich, wenn die im Antidotarium aufgezählten Praeservativmittel sowohl die Ingredientien, wie auch deren Zubereitung betreffend, die größte Ähnlichkeit, teilweise Übereinstimmung mit den entsprechenden Abschnitten des , ,Modus praeservandi atque tuend¿ corpora a peste quantum medico est possibile" des Giovanni Santa Sofia zeigen. Giovanni Santa Sofia, Sohn des nicht minder berühmten Niccolo, war Professor der Medizin in Padua, wo er 1389 starb 1 0. Das oben genannte Werk war hoch in Ehren". Die Familie Santa Sofia besaß auch eine Rezeptsammlung ,,Receptae extractae per mag. Johannem de Santa Sophia de quondam receptario patris sui mag. Antonii et mag. Bartholomaei doctorum medicinae et artium..." also eine Art Hausschatz von Rezepten 1 2 Ob einige Rezepte nicht eben hier ihre Quelle haben, muß z.Z. dahingestellt bleiben, da diese Rezeptsammlung uns nicht zugänglich ist. Doch lassen sich andre Beweise für einen Einfluß dieser weltberühmten italienischen Ärztefamilie auf unseren Autor vorbringen 12 3. Es ist bekannt, daß Galeazzo Santa Sofia, ältester Sohn des Giovanni — bis 1394 im Ärztekollegium in Padua, bald Professor der Medizin an der Universität Wien (nachweisbar bis 1402) — ein starker Gegner der oft angewandten Venaesectio war 1 3.Dieselbe Meinung äußert Bartholomaçus Squarcialupis im „Colcodei". Daß beide den Aderlaß bei der Pest stark eingeschränkt wissen wollten, ist bei den Autoren des Spätmittelalters gewiß eine Ausnahme, so daß man daraus in gewissem Maße auf eine gemeinsame „Schule" folgern kann. Sigismundųs Albicus z.b., der neben Galeazzo Santa Sofia der stärkste Gegner überflüssigen Blutabzapfens in diesem Zeitalter war, hat sich diese Auffassung auch während seines Studienaufenthaltes in Padua zu eigen gemacht 1 4 Wenn man nun einige Rezepte unseres Antidotariums mit denen des Galeazzo Santa Sophia in seinem ,, Consilium tempore pestilentiae" 1 5 nebeneinanderstellt, so stößt man wieder Auf auffallende Übereinstimmungen. Es muß betont daraufhingewiesen werden, daß der Verfasser des Antidotariums besonderen Wert auf die praktisch bewährten Arzneimittel legte. Immer wieder werden Medikamente erwähnt, deren Wert ,,experimento probatus" ist. Überprüft man die verschiedenen, zahlenmäßig nicht all zu vielen Rezeptsammlungen der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, also der Zeit der Entstehung des Antidotariums des Bartholo Squarcialupis, so fällt eine Handschrift auf, die der Einteilung und dem Inhalt nach viel Ähnlichkeit mit der von uns besprochenen Sammlung hat: es ist das ,,Antidotarium Magistri Christian de Prachatite..." aus dem Jahre 1432. Der Entstehungsort ist Neuheus 1 0 Eine Abschrift hat sich auch Hartmann Scheđel 1496 erworben: Ms. lat. 250. München, Staatsbibl. 1 1 Über die Familie Santa Sophia cf. Heñsçĥel in: Janus II. 1853, 416. 1 2 Sudhoff, K.: Arch. Gesch. Med. Bd. 6, 1913, S. 352. I2 a Zwei Mitglieder der Familie, Vater und Sohn Marsilio und Guglielmo waren Leibärzte Siegmunds. Eine Urkunde aus Padua erwähnt den Doctor Marsilio als „serenissimi regis Ungariae medicus..." ef. Veress: Fontes rerum Hung. 1915, I. 5. 1 3 Sudhoff, K.: a a. O., 359. 1 4 Schultheisz, E.: Über die Werke des Albicus. Ein Beitrag zur spätmittelalterlichen Handschriftenkunde, in: Janųs Bd. 49, 1960, 221—235. Ders.: Ein spätmittelalterliches Handschriftenfragment, in: Arch Kulturgeschichte, Bd. 42,m 1960, 231—238. Ders.: Beitrag zur Pestliteratur des Spätmittelalters in: Centaurus Bd. 7. 1961. 1 5 Wiener Nationalbibl. Cod. lat. 5312, Fol. 244r—v.