Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)

8. Colçodéi seu liber de peste des Bartholomaçus Squarcialupis de Plumbino

55 daß er bereit war, die inseln Curzola, Lesina und Brazza den Ragusanern zu übergeben. Bei dieser Gelegenheit treffen wir wieder den Namen des Bartholus de Plumbino. Am 14. August 1413 wird eine Urkunde des Freistaates Ragusa verfertigt, wonach eine Deputation in der Sache der Inseln zum König Sigismund nach Buda gesandt wird. Unter deren „praesen­tibus nobilibus viris" ist auch der „egregius vir" Magister Bartholo de Plumbino sowie der Magister Jacobųs de Saligheriis de Padua, beide ,,phisici et salariati communis Ragusi" 9. Wahrscheinlich ist aber Meister Bartholus doch nicht mit dieser Botschaft nach Buda gefah­ren; denn in einer späteren Schrift ruft Sigismund den Magistrat der Stadt Ragusa auf, den Arzt Meister Bartholus zu ihm zu schicken. Die Antwort des Magistrats, ein Brief, datiert vom 27. November 1423, lautet wie folgt: ad factum magistri Bartholdi, cui rogamina nostra porreximus, instantissime deprecando, quatenus ad presenciam vestre maiestatis ac­cederet, offerendo sibi in conpucione eiųs integrum Sa añųrn, videlicet ducatos pro septem mensibus sequituris, cum eidem expactis secum habitis precipere nequeamus, qui se penitus excusavit, quod am propter temporis tempestate quam suae debilitatem persone tale viagium sequi non posset 1 0." Magister Bartholo berief sich also auf seine körperliche Schwäche, auf das schlechte Wetter und ging nicht, obwohl ihm eine nicht geringe Summe geboten wurde. Näheres läßt sich vorläufig über Bartholomaeus Squarcialupis de Plumbino nicht aussagen 1 1. Eines steht fest, er muß ein angesehener und erfahrener Arzt gewesen sein, sonst hätte er nicht die Aufmerksamkeit des Königs auf sich gezogen. Ob ihn der König wäh­rend seines Aufenthaltes in Ragusa kennengelernt hat, oder der Erzbischof von Esztergom (Gran) Johannes de Kanizsa über die Kunst des Bartholo dem König Bericht erstattete, ist nicht zu entscheiden 1 2. Aber auch vom Primas von Ragusa, Kardinal Giovanni Dominici, der als päpstlicher Legat am Hofe Sigismunds weilte und mit ihm am Konzil von Konstanz teilnahm, kann er von dem berühmten Artz gehört haben 1 3. Daß unser Meister ein wohlgebildeter Međieųs war, in „theoretica et practica" bewan­dert, ist aus seinem Werk ersichtlich. In gewissen Beziehungen war er sogar ein ganz moder­ner Arzt, insbesondere was seine hygienische und epidemiologische Auffasung anbelangt. Einige ausgewählte Teile der Handschrift sollen hier ganz kurz besprochen werden, um zu zeigen, daß es sich gar nicht um „mittelalterliche Dunkelheit" handelt. In den ersten zehn Questionen gibt der Autor allgemeine Thesen über die Pest. Die Pest sei kontagiös, man solle also die Bäder und anderen Verkehr vermeiden, da ein Sprechender 9 Gelcich: Dipl. Ragusinum, pag. 260, 288 ff. 1 0 Ib. pag. 233-234. 1 1 Die bisher bekannten Ärzte des Königs und späteren Kaisers Sigismund sind (mit Ausnahme der Chirurgen) alle Kleriker gewesen (vgl. hierzu meine Arbeit über Albicus, Communicationes ex Bibliotheca Hist. Med. Hunga­rica, Nr. 18). Für Eine kirchliche Stellung Bartholos fehlen zur Zeit die Beweise; trotzdem halte ich es für sehr wahrscheinlich. In dieser Beziehung möchte ich auf das Problem der ,.Questionen" hinweisen. Die einzelnen Abschnitte der Handschrift — im Index „Capitulum" genannt — führen im Text die Über­schrift ,,Questio" (numeriert von 1 bis 44). Es handelt sich aber nicht um Fragen das Wort figuriert hier nicht im Sinne von actus quaerendi, sondern als positio, pronuntiatio, theorema. Dies ist typisch für die kirchlichen Werke des Mittelalters (Die „Summa" des Thomas von Aquino z. B. besteht auch aus „Questiones"). Nach ei­nem Vermerk auf der Einbanddecke befand sich die Handschrift im Jahre 1514 im Besitz eines Klerikers aus Prag. 1 2 Nach der Niederlage von Nikopolis im Krieg gegen die Türken flüchtete der König in der Begleitung des Erzbi­schofs Johannes de Kanizsa am 21. Dez. 1396 nach Ragusa, wo er 9 Tage als Gast des Freistaates verweilte. Der Kirchenfürst aber wurde schwer krank und blieb bis zur völligen Genesung, also monatelang, in Ragusa. Vgl. Gelcich: Diplomatarium Ragusinum pag. 23 und Engel (S. 335, Añm. 2) 148. 1 3 Vgl. Florio Banfi: Corvina 15 (1935), 61.

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