Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)

7. Beitrag zur Pestliteratur des Spätmittelalters

48 In der Sammelhandschrift Cod. lat. No. 65 der Universitätsbibliothek in Budapest findet sich das Werk auf Bl. 336b —338a. Es ist eine Gesundheitsregel teils lateinisch, teils mittel­hochdeutsch. Da das Kolligat von diesem Regimen abgesehen ausschliesslich teologisch­philosophische Abhandlungen enthält, ist es leicht verständlich, dass die Handschrift der Aufmerksamkeit der Medizinhistoriker bis jetz entgangen ist. Die Handschrift fängt mit dem lateinischen Teil an, wie das in den Manuskripten des Al­bicus üblich ist. Ausnahme bilden nur die Handschriften ,,puch der erczney" (Cod. Mün­chen Cgm 731) und ,,Buch von Arznei " (Admonter Hs. Bl. 186a—371b in Reichenberg, Sign. 125), welche in toto deutsch geschrieben sind 8. Im ersten Rubrum (fol. 336b) kommt der Sinn des Werkes zum Ausdruck: ,,De regimine Sanitatis". Zeile 8—9 heisst es: ,,... magis­ter Albicus excerptus medicus dedit tale regiminam...", was sich sinngemäss auch auf die fol­genden Kapitel ,,Regimen tempore pestilencie'¦ ,,De balneis..." usw. bezieht. Der unbe­kannte Skriptor hebt auch noch auf Bl. 337a zweimal den Namen Albicus hervor (Z. 11 und 20). Der Umstand, dass keiner der Klassiker der Medizin im Manuskript erwähnt wird, ist beweiskräftig, dass es sich hier nicht um eine der nicht seltenen mittelalterlichen Kompilatio­nen zur „Ordnung der Gesundheit" handelt, sondern um Auszüge eben aus den Gesund­heitsregeln Albich's wahrscheinlich aus dem Buch ,,Regimen hominis seu vetularius", wel­ches später unter den ersten mitteleuropäischen ärztlichen Inkunabeln 1484 bei Marcus Brandis in Druck gelegt wurde. Diese Behauptung finde ich durch das kurze Kapitel ,,Regi­men pestilencie" noch bestärkt, welche nämlich auffallende Übereinstimmungen mit dem Abschnitt ,,Regimen pestilentiae" der Albich'schen Makrobiotik, aber — wie ich das im Folgenden zeigen darf — auch mit einigen anderen Pestregimina aufweist. Die Berufung auf Albicus unter andren Autoren Hesse einfach nur auf den grossen — wie bemerkt, heute noch immer nicht genügend betonten — Einfluss des Prager Meisters auf die Entstehung und auf den Geist spätmittelalterlicher Gesundheitsregeln folgern. Im sog. ,,Bamberger Pestge­dicht" das von Bachem 9 veröffentlicht wurde, wird z.B. Albicus des öfteren zitiert: als uns Alwigus schreibt..." (Z 86), ,,... schreibt meister Albicus..." (Z 187), doch sind dort auch die Klassiker der Medizin von Aristoteles, über Hippokrates, Galen und den Arabern bis Constantinus Afr çañųs zitiert. Wie bereits Bachem daraufhingewiesen hat, ist es wahr­lich auffallend, dass unter den zitierten Grössen der Medizin allein Albicus aus dem spätmit­telalterlichen Mitteleuropa stammt, was ceteris paribus seine damalige Autorität beweist. Unsere Handschrift jedoch weis keinen der Klassiker zu erwähnen. Der einzige Name der uns hier begegnet ist der des Albicus. Aus dieser Pestabhandlung ist zu ersçĥĤessen, dass mehrere Pestschriften, deren Verfas­ser nicht identifiziert werden konnte, letzten Endes auf Albich zurückzuführen sind. Betrachtet man z.B. das ,,Regimen pestilenciali" aus der Prager Hs. I. G. 23 auf Bl. 159b —160b, sowie das ,,Regimen praeservativum in pestilitate" aus dem Leipziger Ms. 1129 Bl. 34b—35a und endlich die Albicus-Hs. in dem Budapester Cod. lat. 65 Bl. 336b—337a, so lässt sich eine auffallende Übereinstimmung nachweisen. 8 Veröffentlicht und besprochen von G. Eis, siehe Añm. 1. 9 Bachem, R.: Ein Bamberger Pestgedicht und sein Verhältnis zu Albich von Prag. Stifter-Jahrbuch, Bd. III. 1953, 169-175.

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