Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)

6. Badehygiene und Geomedizin in den Werken des Albicus

45 Er betont die Rolle der vorbeugenden bzw. heilenden Wirkung der richtigen Diät, der mäßigen Körperbewegung, der entsprechenden Arbeit und des heiteren Gemüts gegenüber der übermäßigen medikamentösen Behandlung. Die maßvolle Anwendung des Aderlasses, die wiederholte Hervorhebung der Schädlichen Folgen überflüssigen Blutabzapfens zeugt von der nüchternen Denkungsart und großen Erfahrung Albici auch auf diesem Gebiete. — Gegenüber der Alchemie ist er noch skeptischer als Arnaldus von Villanova. Im allgemeinen ist er eher Anhänger der „natürlichen Heilverfahren". Die Ungarische Medizinhistorische Landesbibliothek in Budapest verwahrt ein aus 28 Pergamentblättern bestehendes Manuskript. Die Handschrift stammt aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts aus der Schule des Albicus. Es kann mit größter Wahrscheinlichkeit an­genommen werden — Obzwar die Handschrift akephal und ohne Kolophon ist —, daß der Verfasser Sigismundųs Albicus selber ist. [Eine eingehende Besprechung dieser interessan­ten mittelhochdeutschen Schrift erscheint anderen Ortes, wo auch auf die Entstehung der Handschrift näher eingegangen wird 1 0.] In der Mitte des Incipit-Blattes stellt der Autor gleich fest, daß „... die deutschen meer essen dann trinken und die italici meer trinken dann essen ..." Dieser scheinbar banale Satz ist eine praktisch sehr wichtige These für den praktisch tätigen Arzt. Daraus folgt nämlich — aus der Handschrift ersichtlich — die Verschiedenheit der Therapie bei den „deutschen" und bei den „italici". Leute im Süden sind ganz anders zu behandeln — fährt unser Autor fort —, wie die kranken Menschen der nördlichen Länder. Dieselbe Krankheit nimmt näm­lich einen andren Verlauf bei den „deutschen" als bei den „italici". An einer anderen Stelle finden wir die Gegenüberstellung des Krankheitsverlaufes bei den „bohemi" und „italici". Dabei wird später hervorgehoben, daß dieser Unterschied geo­graphisch und nicht etwa anthropologisch, bedingt ist! Wettereinflüsse sind nach Albich auch nicht außer Acht zu lassen. Letztere beeinflussen bedeutend die „Complexen" des Menschen. Die Versoseite des fol. 13 zitiert Constantinus Afr¡çañųs" , wobei alles Wissenswerte über das Baden ausführlich besprochen wird. Am recto des folgenden Blattes werden die Funktionen der Pori der Haut beschrieben: „... Avi­cenna vnd spricht das in dem pad die Löcher and der hau die da ĥeÿssen pori offen steen...". Die folgenden Erwägungen von den heilend und anregend wirkenden Bädern zeugt wahrlich nicht von „mittelalterlicher Dunkelheit". Fol. 14v lautet: „Capitl von dem padn (mit ka ltñ wass) Der ordentlich padet (dem wird der leib) natuleich feucht (vnd offne vnd vernewt) die locher die da haÿssñet pori vnd treibt (aus die vberflussigkait vnd macht die feuchtigkeit subti l) vertreibt smerzn vnd mued..." Es ist nicht schwer, die unmittelbaren arabischen Einflüsse in der spätmittelalterlichen Badehygiene — vorüber H. Schipperges in dieser Zeitschrift ausführlich geschrieben hat — auch in dem zitierten Kapitel zu entdecken. In dem von Schipperges mitteilten Zitat der Ta­çųin¡ sanitatis (eine arabische Quelle) heißt es: „... Das Bad öffnet die Poren und leitet die überflüssigen Säfte heraus. — Ein Bad hebt die Ermüdung auf und durchfeuchtet den Kör­per, es regt die Verdauung an und bereitet zur Nahrungsaufnahme vor. Weiter lindert die Schmerzen..." 1 2. Das ist wohl mehr als Ähnlichkeit! 1 0 Schultheisz, E.: Communicationes ex Bibi. Históriáé Medicae Hungarica. 18. (1960) 175—187. 1 1 Constantinus Afr¡çañųs hatte auf das Regimen Sanitatis sehr grossen Einfluss geübt. Vgl.: Schipperges, H.: Sųt ­ĥoffs Archiv 39 (1959) 66. 1 2 Schipperges, H.: Zeitschrift angew. Bader-Klimaheilk. 4. (1957) 200—210.

Next

/
Thumbnails
Contents