Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)
6. Badehygiene und Geomedizin in den Werken des Albicus
44 Meiner Meinung nach mußte Albicus auch schon vor seiner Flucht aus Böhmen bzw. Ansiedlung in Ungarn (also vor 1419) bereits in Ofen gewesen sein. Nur so wird nämlich sein in der Prager Universitätsbibliothek verwahrtes und vom Jahre 1416 in Ofen datiertes Manuskript verständlich: „Medicina contra paralysin (!), quam dorn. Albicus ante agonem mortis suae domino regis a. d. 1416 in civitate Buda (der ungarische Name von Ofen d. Verf.), Strigon, diocesis fecit" 5. Das konnte er nur für König Venzeslaus geschrieben haben. Die Handschrift ist aber unmißverständlich aus Ofen datiert. Demgegenüber wurden nicht alle dem König Siegmund gewidmeten oder ihn erwähnenden Handscriften während Albici Ofner Aufenthaltes verfaßt. Die Bedeutung und Verbreitung seiner Werke zeigt der Umstand, daß drei von denen unter den ersten mitteleuropäischen ärztliche, Wiegendrucken zu finden sind: Praxis medendi, Regimen pestilentiae und das wichtigste, das Regimen hominis seu vetularius. Alle drei erschienen in Leipzig 1484 im Verlag von Marcus Brandis. Die von hygienischem, geomedizinischem und bioklimatologischem Standpunkt wichtigsten ungedruckten Handschriften sind die folgenden: Regimen contra reumata, quod misit ante obitum suum Sigismundø Romano rum, Bohaemiae ac Ungarorum regi 6. Tractatus de rectification aeris magistri Albici 7, puch der erczney von maister albico 8. Die zwei Manuskripte Collectiorum maius und Collectiorum minus stammen zum Teil von Albicus selbst, sind aber unbedingt unter seinem Einfluß entstanden 9. In den übrigen Handschriften des Albicus finden sich zumeist Abhandlungen über die Pest. Zwei befassen sich mit Makrobiotik und sind als ,,regimina sanitatis" zu betrachten. Albicus erscheint in seinen erwähnten Schriften als eine vom streng dogmatischen Geiste der Scholastik ziemlich unabhängige Persönlichkeit. Seine Feststellungen ruhen größtenteils auf eigenen Beobachtungen und Erfahrungen, was auch er selber des öfteren betont. Das bedeutet natürlich nicht, daß er Autoritäten nicht zitieren würde. Er beruft sich auf die Klassiker, von Hippokrates bis Avicenna. Doch zitiert er diese nicht selten nur mehr zur Rechtfertigung der aufgestellten Thesen, aber er geht nicht von ihnen aus. Besonders charakteristisch ist es, daß er die angesehenen Namen, in vollem Gegensatz zu den damals üblichen Gepflogenheiten, meist ohne jedes lobende Attribut nennt. Es fehlen die im Superlativ geschriebenen lobpreisenden Sätze. Nur eine Ausnahme gibt es: Arnaldus de Villanova, den er scheinbar besonders hochschätzte. Ihn apostrophiert er mit dem Attribut ,,der erfahrenste Arzt". Der viel gereiste, mit fremden Völkern öfters in Berührung gekommene Arzt erkennt die Bedeutung der geographischen Eigenheiten, der nationalen Sitten bei der Entstehung, dem Verlauf und der Heilung der Krankheiten, und das betont er auch ausdrücklich an mehreren Stellen seiner Werke. Er schreibt unter anderem, daß in Anbetracht der geographischen Verschiedenheit, die die Krankheiten verändert, sowie der Verschiedenheit der Diäten, der Arzt, der in Italien studierte, in Böhmen nicht so erfolgreich sein kann, als auf Italiens Boden. 5 Manuskript Sign. VIII. H. 34. Fol. 149v. unveröffentlicht. Prager Univ. 6 Diese Handschrift hat A. Schrutz im Jahre 1909 in Prag veröffentlicht. 7 Prag, Klementinum. Sign. Ms. L. F. II. 8 Im Münchener Codex Cgm. 731. Bayerische Staatsbibliothek. 9 Beide Handschriften im Kodex III. Q. der Universitaetsbibl. Wratislawa. Sudhoff schreibt sie Albicus zu. Vgl.: Sudhoff, K.: Arch, für Gesch. der Medizin 9. (1926) 117.