Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)

6. Badehygiene und Geomedizin in den Werken des Albicus

BADEHYGIENE UND GEOMEDIZIN IN DEN WERKEN DES ALBICUS (AUS EINER SPÄTMITTELALTERLICHEN HANDSCHRIFT)* Im Lichte der modernen Historiographie scheint die medizinische Literatur des ausgehenden Mittelalters gar nicht so ,,dunkel" zu sein, wie bischer angenommen. Die Form und der Aufbau der Werke ist in diesem Zeitalter natürlich fast immer streng dogmatisch. Auch das Zitieren von antiken, arabischen und scholastischen frühmittelalterlichen Autoren ist recht häufig. Doch sind die Schriften der großen spätmittelalterlichen Ärzte im Grunde lebendig und von nicht geringer praktischer Bedeutung. 1 Insbesondere scheinen Vorschriften betreffend die Badehygiene, sowie Theorien über geomedizinisch-bioklimatologische Zusammenhänge verblüffend „modern". Im Folgenden möchten wir auf Grund einer unveröffentlichten Handschrift des Siegmund Albich aliter Sigismundųs Albicus auf die badehygienische und geomedizinische Auffassung des ausgehenden Mittelalters hinweisen, die heute noch ihre Gültigkeit hat. Zuerst kurz über die Person des Autors. Unter den mitteleuropäischen Hofärzten des 14.—15. Jahrhunderts ragt an Wissen Sigis­mundųs Albicus, der Arzt des böhmischen Königs Venzeslaus, später des Kaisers und ungari­schen Königs Sigismund, weit hervor. Geboren im böhmischen Mährisch-Neustadt um 1360, starb er am 23. Juli 1427 2. Seine Baccalaureatsprüfung legte er an der Prager Universität 1328 ab. Entsprechend dem Brauche jener Zeit, hielt er bereits frühzeitig Vorlesungen an der Uni­versität in Prag. 1407 finden wir ihn in Italien, wo das Matrikel der Universität von Padua sei­nen Namen verzeichnet. Hier wurde er zum Doktor beider Rechte promoviert. Die wissen­schaftlichen Grade der Medizin erwarb er an der Prager Universität. Zum zweiten Male hielt er sich erst 1452/53 wieder in Italien auf 3. Bald wird er Leibarzt des Königs Venzeslaus von Böhmen, dessen Vertrauen zu Albicus so groß war, daß er sich in der schweren, von den Husiten­bewegungen verursachten politischen Lage auf Albicus zu stützen wünschte. Als der Prager erz­bischöfliche Sitz vakant wurde, bewog der König das Kapitel, Doctor Albicus zum Erzbischof von Prag zu wählen. Diese Würde hatte er jedoch nur für eine kurze Zeit inne. Nach seiner Ab­dankung wurde er Propst von Visehrad, gleichzeitig abermals Arzt und Kanzler des Königs. Als dann nach dem Tode Venzeslaus die Husitenkämpfe sich noch verstärkten, und auch die Propstei des Albich verheert wurde, flüchtete er zuerst nach Olmütz, dann nach Ofen in Ungarn 4. So geriet er an den Hof des deutsch—römischen Kaisers und ungarischen Königs Siegmund. * Ersch. in: Zeitschrift angew. Bader-Klimaheilkunde 7. (1960) 473—480. 1 Schipperges, H.: Die Grünenthal Waage 1. (1959) 8—11. 2 Sudhoff, K.: Arch, für Gesch. der Medizin. 7. (1914) 90. 3 Hasner, K.: Prager Vierteljahrschrift. 1860. 4 Sudhoff, K.: Arch, für Gesch. der Medizin , 17. (1925) 157 ff.

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