Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)
5. Über die Werke des Albicus. Ein Beitrag zur spätmittelalterlichen medizinischen Hand-schriftenkunde
ÜBER DIE WERKE DES ALBICUS EIN BEITRAG ZUR SPÄTMITTELALTERLICHEN MEDIZINISCHEN HANDSCHRIFTENKUNDE * In einer früheren Arbeit in dieser Zeitschrift habe ich — allerdings recht kurz — auf die Person des Albicus hingewiesen 1 Die weitere Erforschung seiner Werke hat mich gelehrt, dass Albicus zweifelsohne eine eindringlichere und ausführlichere biographische und medizingeschichtliche Würdigung verdient, als Hasner 2 und K. Sųđĥoff 1 ihm trotz aller Ausführlichkeit zu geben vermochten. So habe ich in einigen Arbeiten den Lebenslauf 4 und die Bedeutung dieser Leuchte des medizinischen Mittelalters besprochen 5' 6 Sigismundųs Albicus (Siegmund Albich) ist in Märisch-Neustadt (Unczow) um 1360 geboren, starb am 23. Juni 1427. Die Baccalaureatsprüfung legte er an der Prager Universität 1382 ab. Entsprechend dem Brauche jener Zeit, hielt er bereits frühzeitig Vorlesungen an der Universität Prag. Daselbst erwarb er auch den Doktorhut der Medizin. In den Jahren 1402—1403 hielt er sich in Italien auf, wo wir ihn nach einigen Jahren wiederfinden. 1407 verzeichnet das Matrikel der Universität von Padua seinen Namen. Hier wurde er zum Doktor beider Rechte promoviert. Diese Studien erinnern sehr an die Bildungsweise der Humanisten. Bald wird Albicus Leibarzt des böhmischen Königs Venzeslaus, dessen Vertrauen zu ihm so gross war, dass er sich in der schweren, von den Husitenbewegungen verursachten und auch seinen Tron gefährdenden politischen Lage auf Albicus zu stützen wünschte. Als der Prager erzbischöfliche Sitz vakant wurde, bewog der König das Kapitel Albicus zum Erzbischof von Prag zu wählen. Nach seiner Resignation wurde er Propst von Vysehrad, gleichzeitig bekleidete er die Stelle des Kanzlers und wurde wieder Leibarzt des Königs. Als dann nach dem Tode Venzeslaus' die Husitenkämpfe sich noch verstärkten und auch die Propstei des Albicus verheert wurde, flüchtete er zuerst nach Olmütz, dann nach Buda (Ofen) In Ungarn. So geriet er an den Hof des deutsch—römischen Kaisers und ungarischen Königs Siegmund. Er war aber schon auch vor seiner Ansiedlung in Ungarn 1419 eine Zeitlang tätig. Über einen Aufenthalt im Jahre 1416 wissen wir bescheid. Eine von mir aufgefundene unveröffentlichte Albicus-Handschrift aus dem ersten Quartal des 15. Jahrhunderts gab Anlass zur Analyse seiner medizinischen Anschauungen. Albicus erscheint in seinen Schriften als eine vom streng dogmatischen Geiste der Scholastik ziemlich unabhängige Persönlichkeit. Seine Feststellungen ruhen grösstenteils auf * Ersch. in: Janųs 49.4 (1960) 221-234. 1 Schultheisz, E.: Janųs 48, 1959, 49. 2 Hasner: Prager Vierteljahrschrift, 1860. 3 Sudhoff, K.: Archiv G. Med. 7, 1914, 90 ff. 4 Schultheisz, E.: Communicationes ex Bibl. Hist. Med. Hung. No. 18, 1960. 5 Schultheisz, E.: Zschr. f. Bäder-Klimaheilk. 7, 1960, 473 ff. 6 Schultheisz, E.: Arch. Kulturgeschichte, 12, 1960, 231 ff.