Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)
4. Ein spätmittelalterliches medizinisches Handschriftenfragment
24 Bald wird er der Leibarzt des Königs Wenzel. Dessen Vertrauen zu Albicus war so groß, daß er sich in der schweren, von den Husitenbewegungen verursachten und auch seinen Thron gefährdenden politischen Lage auf Albicus zu stützen wünschte. Als der Prager erzbischöfliche Sitz vakant wurde, bewog der König das Kapitel, Doctor Albicus zum Erzbischof von Prag zu wählen. Diese Würde hatte er jedoch nur für eine kurze Zeit inne. Nach seiner Abdankung wurde er Propst von Visehrad, gleichzeitig abermals Arzt und Kanzler des Königs. Als dann nach dem Tode Wenzels die Husitenkämpfe sich noch verstärkten und auch die Propstei des Albich verheert wurde, flüchtete er zuerst nach Olmütz, dann nach Ofen in Ungarn 5. So geriet er an den Hof des deutsch-römischen Kaisers und ungarischen Königs Sigismund. Meiner Meinung nach muß Albicus auch schon vor seiner Flucht aus Böhmen bzw. Ansiedlung in Ungarn (also vor 1419) bereits in Ofen gewesen sein. Nur so wird nämlich sein in der Prager Universitätsbibliothek verwahrtes und vom Jahre 1416 in Ofen datiertes Manuskript verständlich: Medicina contra paralysim, ųųam dorn. Albicus ante agonem mortis suae domino regi a.d. 1416 in civitate Buda, Strigon. Diocesis fecit 6 Das konnte er nur für König Wenzel geschrieben haben. Demgegenüber wurden nicht alle König Sigismund gewidmeten oder ihn erwähnenden Handschriften während Albichs Ofener Aufenthaltes verfaßt. Um Albichs ärztliche und schriftstellerische Persönlichkeit kennen zu lernen, das im folgenden zu besprechende Manuskript aus dem 15. Jahrhundert besser zu verstehen und dieses mit den Albicus-Werken vergleichen zu können, müssen wir uns erst über Albichs bedeutendere Werke auslassen. Vollständigkeit wird hier natürlich nicht erstrebt. Als Grundlage dienten die mir von den Leipziger, Münchener und Prager Bibliotheken zugesandten Mikrofilme der unten genannten Handschriften 7 Die Bedeutung und Verbreitung seiner Werke zeigt der Umstand, daß drei von ihnen unter den ersten mitteleuropäischen ärztlichen Wiegendrucken zu finden sind: 1. Praxis medendi, 2. Regimen pestilentiae, und das wichtigste 3. das Regimen hominis seu Vetularius. Alle drei erschienen in Leipzig 1484 im Verlag von Marcus Brandt. Handschriftlich sind folgende Schriften von ihm erhalten geblieben: 1. Regimen contra reumata, quod misit ante obitum suum Sigismundo Romanorum, Bohemiae ac öngariae regi*¦ 2. Medicina contra paralysim 9; 3. Traçla us de rectification aerei magistri Albici 1 0; A.Regimen corporis, consilium ad Sigismundum (Fragment) 1 1; 5. Tractatus de crisi 1 2; 5 Sudhoff: in: Arch. Gesch. d. Med. 17 (1925), 157 ff. 6 Prager Universitätsbibliothek, VIII. H. 34, fol. 149 v, unveröffentlicht. 7 Ich möchte auch an dieser Stelle Herrn Dr. D. Debes, Leiter der Handschriftenabteilung der Leipziger Universitätsbibliothek für die liebenswürdige Zusendung der Photokopien der Mss. 1200 und 1226, Herrn Dr. K. Dachs für die freundliche Übersendung der Photokopie der Münchner Handschrift Cgm 731, sowie dem Leiter des Prager Klementinums meinen aufrichtigen Dank aussprechen. 8 Verlegt bei A. Schrutz, Prag 1909. 9 Siehe Añm. 6. 1 0 Prager Universitätsbibliothek, Ms. L. F. II. 1 1 München, Staatsbibliothek, Cod. lat. 321, fol. 89v—92r. 1 2 Leipzig, Universitätsbibliothek, Ms 1200.