Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)
4. Ein spätmittelalterliches medizinisches Handschriftenfragment
25 6. Questio solemnis... 1 3; 7. Puch der erezneÿ von maister albico ¼¦ 8. Pestregimen Albici archiepiscopi (deutschsprachig) 1 5; 9. Regimen tempore pestilentiae Albici medici 1 6; 10. Reportata ex lectionibus magistri Albici , 7; 11. Collectorium maiųs und 12. Collectorium minus stammen nur zum Teil von A b¡çųs selbst, enstanden aber sicher unter seinem Einfluß 1 8 Von den angeführten Werken trachte ich auf Grund des Vetularius, der Practica und des Tractatus, sowie des Puch der erczney einige Momente zu beleuchten, die für die Mentalität und für die ärztliche Anschauung des Albicus charakteristisch sind. Albicus erscheint in den erwähnten Schriften als eine vom streng dogmatischen Geiste der Scholastik ziemlich unabhängige Persönlichkeit. Seine Feststellungen ruhen größtenteils auf eigenen Beobachtungen und Erfahrungen. Dies betont er auch an mehreren Stellen. Das bedeutet natürlich nicht, daß er Autoritäten nicht zitiert hätte. Er beruft sich auf die Klassiker, von Hippokrates bis Avicenna. Doch zitiert er diese, sozusagen, nur mehr zur Rechtfertigung der aufgestellten Thesen, aber er geht nicht von ihnen aus. Besonders charakteristisch ist es, daß er die angesehenen Namen, in vollem Gegensatz zu damals üblichen Gepflogenheiten, meist ohne jedes lobende Attribut nennt. Es fehlen die im Superlativ geschriebene lobpreisenden Sätze. Nur eine Ausnahme gibt es: Arnaldus de Villanova, den er anscheinend besonders hochschätzte. Ihn apostrophiert er mit dem Attribut „der erfahrenste Arzt". Der vielgereiste, mit fremden Völkern öfters in Berührung gekommene Arzt erkennt die Bedeutung der geographischen Eigenheiten, der nationalen Sitten bei der Entstehung, dem Verlauf und der Heilung der Krankheiten, und das betont er auch ausdrücklich an mehreren Stellen. Er schreibt unter anderem, daß in Anbetracht der geographischen Verschiedenheiten, die die Krankheiten verändern, sowie der Verschiedenheit der Diäten der Arzt, der in Italien studierte, in Böhmen nicht so erfolgreich sein kann wie auf Italiens Boden. Und in einer der Schirften über die Pest stellt er die Gepflogenheiten der Italici und der Bohemi bei Anwendung der Arzneien einander gegenüber. Er betont die Rolle der vorbeugenden bzw. heilenden Wirkung der richtigen Diät, der mäßigen Körperbewegung, der entsprechenden Arbeit und des heiteren Gemüts, gegenüber der übermäßigen medikamentösen Behandlung. Die maßvolle Anwendung des Aderlasses, die wiederholte Betonung der schädlichen Folgen überflüssigen Blutabzapfens zeugt von der nüchternen Denkungsart und großen Erfahrung Albichs auch auf diesem Gebiete. Gegenüber der Alchemie ist er noch skeptischer als Arnaldus von Villanova. Im allgemeinen ist er eher Anhänger der „natürlichen Heilverfahren". Albichs Stil ist flüssig; Wiederholungen, sonst in medizinischen Texten jener Zeit recht häufig, sind relativ selten. Auffallend zahlreich sind jedoch die volkstümlichen, derben Ausdrücke. Was schon Sudhoff bei der Besprechung der Pestschriften festgestellt hat. 1 3 Ebenfalls in der Leipziger Handschrift Ms 1200. 1 4 München, Staatsbibliothek, Cgm 731. 1 5 Wratislawa (Preßburg), Universitätsbibliothek, Ms. I. Q. 100. 1 6 Prag, Klementinum MS XIV. 16 und Leipzig, Univ.-Bibl. , Ms. 1328. 1 7 Prag, Klementinum MS 1. F II. 18 v ff. 1 8 Beide Handschriften im Kodex III. Q. 4. der Universitätsbibliothek Wratislawa (Preßburg), Sudhoff schreibt das Manuskript Albicus zu. Vgl. Sudhoff: in: Arch. Gesch. d. Med.9 (1916), 117.