Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)
4. Ein spätmittelalterliches medizinisches Handschriftenfragment
EIN SPÄTMITTELALTERLICHES MEDIZINISCHES HANDSCHRIFTENFRAGMENT * In der mittelalterlichen medizinischen Literatur spielen die verschiedenen Gesundheitsregeln, Regimina sanitatis, eine bedeutende Rolle. Die diätetisch-hygienischen Vorschriften dieser Regimina verbreiteten sich nicht nur als selbständige Bücher, sondern wurden auch zu Kapiteln anderer medizinischer Werke des Mittelalters. So enthält das am meisten verbreitete medizinische Buch des 13.—14. Jahrhunderts, die Practica Bartholomaei ¦ ebenso ein Regimen Sanitatis wie das Arzneibuch Ortolfs von Baierland, welches die Practica bald verdrängte und später auch im Drucke erschien. Bei letzterem wies Keil nach, daß jenes Kapitel, welches die diätetischen Regeln enthält, keinen organischen Teil des Werkes bildet 3. Sämtliche Regimina des Spätmittelalters sind ultima analysi auf die Sçĥola Salernitana zurückzuführen. In ihrer Erscheinungsform weichen sie jedoch von einander in vielem ab, stellenweise sind sie auch im Inhalt verschieden. In der Blütezeit des scholastischen Geistes entfernen sich diese Variationen immer mehr von der nüchternen Einfachheit des Originals. Diese Verschiedenheit und textliche Umwandlung der einzelnen Regimina ist einerseits die Folge der im Laufe der Zeit sich vermehrenden Kenntnisse, anderseits spiegelt sich im Geiste der Regimina die ärztliche Persönlichkeit und das Wissen der Autoren bzw. Kommentatoren, die gleichzeitig auch die Form und den Inhalt verändern. So wie das fühmittelalterliche Regimen Salernitanum für den König von England geschrieben wurde, so wurden auch die spätmittelalterlichen Gesundheitsregeln meistens für einen Herrscher verfertigt. Ihr Verfasser oder Kommentator war meistens der Arzt des Königs. Unter den Hofärzten des 14.—15. Jahrhunderts ragt an Wissen Sigismundųs Albicus, der Arzt des böhmischen Königs Wenzel, später des Kaisers und ungarischen Königs Sigismund, weit hervor. Geboren im böhmischen Mährisch-Neustadt um 1360, starb er am 23. Juli 1427 3. Seine Baccalaureatsprüfung legte er an der Prager Universität 1382 ab. Entsprechend dem Brauche jener Zeit hielt er bereits frühzeitig Vorlesungen and der Universität in Prag. 1407 finden wir ihn in Italien, wo die Matrikel der Universität Padua seinen Namen verzeichnet. Hier wurde er zum Doktor beider Rechte promoviert. Die wissenschaftlichen Grade der Medizin erwarb er an der Prager Universität. Zum zweiten Male hielt er sich erst 1452/53 wieder in Italien auf 4. * Erschien, in: Arch. f. Kulturgesch. 2 (1960) 231—238. 1 I. Haupt: Wiener Sitzungsberichte 71 (1872). 2 G. Keil: in: Sudhoffs Arch. Gesch. d. Med. 43 (1959), 20—21. und 39. 3 Sudhoff: in: Arch. Gesch. d. Med. 1 (1914), 90. 4 Hasner: in: Prager Vierteljahresschrift 1860.