József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Aus der Geschichte der Medizin und der Pharmazie Ausstellungsführer (J. Antall, K. Kapronczay, Z. Pataki, M. Szlatky, M. Vida)

IV. DIE AUFKLÄRUNG UND DIE MEDIZIN Wie alle großen Geistesströmungen, kann auch die Aufklärung nicht in die Schranken der Jahreszahlen gewiesen werden, besonders wenn man sie unter dem Aspekt einer Disziplin, in diesem Falle der Medizin, untersuchen will. Die sich in Zeit und Raum langsam durchsetzenden Ideen und die unter ihrem Eindruck aufkommenden Gegenmeinungen und ihr Einpendeln decken oft langwierige, mitunter polarisierte oder parallel laufende Entwicklungsprozesse. Mit Hinblick auf die Geschichte der Medizin läßt sich das 17. vom angehenden 18. Jahrhundert nicht trennen. Die großen Entdecker sahen wieder einmal aufs Neue ein, daß sie ihre Tätigkeit „zum Wohle des Menschengeschlechts" auszu­üben hatten, daß die Forschungen nicht an und für sich, sondern zur Auf­klärung der Menschen, zur Entkräftung der im Glauben an das Übernatürliche wurzelnden Irrmeinungen zu betreiben sind. Ausgehend von der Empirie erkannten sie als wahr nur das durch Erfahrung und Vernunft Bestätigte an. Darum legten sie ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit Beobachtungen und Experi­mente zugrunde. Die Fachwissenschaften gewährten auf der breiten Basis der Revolution der Naturwissenschaften für die medizinische Theorie und Praxis einen weiten Horizont. 1. Das Weiterleben der Volksmedizin Während der Aufklärung machten die Naturwissenschaften eine revolutionäre Wandlung durch. Doch mochten die Ergebnisse auch von noch so großer Tragweite sein, ihre Auswirkungen kamen nur bei einer kleinen Schicht gebil­deter Menschen zur Geltung und wurden nur sehr langsam zum Allgemeingut der Menschheit. In der Volksmedizin lebten auch weiterhin die im religiösen Glauben verwurzelten Heilmethoden fort. In der Heilkunst des am Anfang der Zivilisation stehenden primitiven Men­schen und in der schon in der Zivilisation lebenden, doch an deren Rand verd­rängten Völker verbanden sich der mystische Glauben an das Unbekannte und die sich auf die Beobachtung des alltäglichen Lebens stützende praktische Erfahrung, die von Generation zu Generation mündlich überliefert wur­de. Der Aberglauben an das Übernatürliche trat immer in der Hülle des vor­herrschenden Glaubens der gegebenen Zeit auf. Die Volksmedizin lebt in den Traditionen. Ihre im Glauben, im Inhalt und in der Praxis verknöcherten For­men haben sich Jahrhunderte hindurch kaum verändert. Ein Beispiel dafür sind die Figuren auf den sog. „Votivtafeln", die die Kranken in der Hoffnung baldiger Genesung am Altar der „Gottheit" anbrachten. Der Name dieser Gegenstände änderte sich später in „Opfer". Von diesen zeigen wir eine ganze Serie aus dem 18. Jahrhundert — zusammen mit den zum Gießen benutzten 72 49

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