József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)
Aus der Geschichte der Medizin und der Pharmazie Ausstellungsführer (J. Antall, K. Kapronczay, Z. Pataki, M. Szlatky, M. Vida)
negativen Holzmodellen (Zahnprothese, Auge, Hand, Kind usw.). Die Votivfigur mit der Darstellung eines Schweines wurde offensichtlich zur Zeit der Schweinepest geweiht. Die „Opfer" der Reichen wurden aus Buntmeiall oder aus Marmor, die der Armen aus billigem Wachs hergestellt, und auf dem Jahrmarkt verkauft. Neben Doppelkreuzen zum Schutz vor der Pest und Pesttalern zeigen wir auch Pokale aus Siebenbürgen. Auf jedem von ihnen ist das Abbild eines vor Krankheit schützenden Heiligen zu sehen (heiliger Rochus, heilige Barbara usw.). Im Schaukasten erhielten auch die auf der Beobachtung beruhenden Mittel der Volksheilkunde ihren Platz, so eine bäuerliche Zange zum Zähneziehen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, die aus dem Komitat Bihar stammt, ein Messer zu Staroperationen aus dem Komitat Hajdú oder die Tasse zur Verpflegung eines Kranken. Ein hervorragendes Denkmal der Volksheilkunde ist der geschnitzte Kerzenständer aus dem Komitat Győr, der eine Frau bis zur Taille darstellt und in dem bis zur Geburt des Kindes neben der kreißenden Frau Kerzen angezündet wurden. Neben der Vitrine ist ein Opferbild aus Nordungarn zu sehen, die Pieta von Sasvár, umgeben von Votivtafeln mit den kranken 73 Gliedmaßen (18. Jahrhundert). 2. Die Entwick¡ung der Naturwissenschaften 74 Ohne hier eine rangmäßige Einstufung zu beabsichtigen, ist unter dem Aspekt der Geschichte der Medizin und Pharmazie zuerst die Entwicklung der Chemie zu erwähnen. Die im heutigen Sinne verstandene Chemie begann mit den Ansätzen der durch das Dunkel der Frühzeit verdeckten chemischen Kenntnisse der Völker des Altertums. Später folgte das Zeitalter der „geheimen Wissenschaft", der Alchimie, deren Siegeszug nach Meinung der einen von China ausgehend, nach Ansicht der anderen von Ägypten aus bis ins 17. Jahrhundert anhielt. Die zur Zeit der Renaissance aufgekommene medizinische Chemie, die Iatrochemie, setzte sich jedoch — parallel zur Alchimie — immer mehr durch. Vom Ende des 17. Jahrhunderts bis ins letzte Viertel des 18. Jahrhunderts war die sog. Phlogistontheorie vorherrschend. Trotz ihres Irrtums war die Zeit der Phlogistontheorie jene Periode, die der Chemie auf den Weg der auf Naturerscheinungen basierenden Wissenschaft verhalf. Im Ausstrahlungsradius der gesellschaftsformenden Kräfte in der Zeitspanne der großen politischen Revolutionen des ausgehenden 18. Jahrhunderts kam es auch in der Chemie zu einer wirklichen Revolution. Ihr Urheber war Lavoisier (1743—1796), der von der Revolution selbst aufs Schafott geschickt wurde. Er machte die Waage zum grundlegenden Forschungsmittel und stellte damit die Chemie auf unerschütterliche mathematische Grundlagen. Neben der Skizze des Apparates zur Herstellung von Kohlensäure, der von 50