József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Aus der Geschichte der Medizin und der Pharmazie Ausstellungsführer (J. Antall, K. Kapronczay, Z. Pataki, M. Szlatky, M. Vida)

III. DIE HERAUSBILDUNG UND ENTWICKLUNG DER SELBSTÄNDIGEN PHARMAZIE IM 16,—18. JAHRHUNDERT Den Beginn der selbständigen Pharmazie in Europa könnte man nur sehr will­kürlich bestimmen. Es ist ein langer Prozeß, in dem all jene Faktoren eine Rolle spielten, die die Heiltätigkeit von der Arzneiherstellung trennten, jene Gesichts­punkte des Handels, infolge derer sich der Warenbestand der „Apotheken" auf die Arzneien beschränkte, und in erster Linie die auf dem Gebiet der Apotheker­Ausbildung eingeführten Reformen : vom Ablegen der Prüfung vor dem Komi­tatsphysikus bis zur Ausbildung an der Universität. In diesen Prozeß ordnet sich organisch die Einbürgerung der als Folge der geographischen Entdeckungen nach Europa strömenden neuen Arzneien ein. Die Tätigkeit von Paracelsus brachte eine weitere Ausweitung des Arzneimit­telschatzes mit sich, da er „die Heilbehandlung der Krankheiten auf chemische Grundlagen" verlegte. Mit der Einführung neuer Mittel und Gerätschaften betrat die pharmazeutische Technologie den Weg der Entwicklung. Die „her­metische Wissenschaft", die Alchimie wurde von der Iatrochemie abgelöst. Die naturwissenschaftliche Revolution des 18. Jahrhunderts eröffnete in der Geschichte der Wissenschaften neue Perspektiven. Statt des Strebens nach den — Träumen und Wünschen entspringenden — unbegründeten Zielen: Goldmacherkunst, Stein der Weisen usw., trat die nach wissenschaftlichen Ziel­en forschende Tätigkeit in den Vordergrund. Die zahlreichen Kurpfuscher, Scharlatane und Quacksalber gerieten eben wegen ihres sehr zweifelhaften Rufes immer mehr an den Rand der Gesellschaft. Im Gegeasatz dazu spielte der fach­lich gebildete Apotheker auf Grund seiner Verdienste, die er sich mit seinem, dem Niveau der Epoche entsprechenden Wissen erworben hatte, im Leben der Gemeinschaft eine bedeutende Rolle. Die Aportheker hatten ein wirtschaftliches Interesse daran, ihre Apotheken und Laboratorien anspruchsvoll einzurichten. Es erschienen offizielle Verfügungen, die den Gebrauch von glasierten Gefäßen und von Glas vorschrieben. Die Entwicklung Ungarns im 16. und 17. Jahrhundert blieb hinter dem europäischen Niveau zurück. Die anderthalb Jahrhundert währende Türken­herrschaft (bis zur Entsetzung Budas im Jahre 1686), die österreichische Unter­drückung, die Dreiteilung des Landes, die Gegenreformation und die in ihrer Folge auftretende Zersplitterung und Uneinigkeit, die Existenzunsicherheit zwang die hervorragendsten Wissenschaftler des Landes, Arbeits- und Erfolg­smöglichkeiten im Ausland zu suchen. All das wirkte sich auch auf die Phar­mazie aus. Es gab nur wenige Apotheken — in den von den Türken besetzten Gebieten waren auch die wenigen existierenden vernichtet worden —, und auch an ausgebildeten Apothekern herrschte Mangel. Eine Wende zum Besseren stellte sich erst im 18. Jahrhundert ein. 45

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