József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Aus der Geschichte der Medizin und der Pharmazie Ausstellungsführer (J. Antall, K. Kapronczay, Z. Pataki, M. Szlatky, M. Vida)

l. Apothekergefäße aus Majolika 64 Die Schöpfungen der italienischen Fayencekunst aus der Renaissance sind durch die Majolikagefäße vertreten. (Die Fayence erhielt ihren Namen nach der italienischen Stadt Faenza, wo seit dem 14. Jahrhundert mit Zinnglasur über­zogene Tongefäße hergestellt werden. Die Bezeichnung Majolika geht auf die Insel Mallorca zurück, durch deren Vermittlung die spanisch-maurischen Ge­fäße mit Metallglasur nach Italien gelangten.) Die undurchsichtige weiße Zinnglasur machte es mögĥeĥ, daß die reiche Farbenwelt der in der Kirchenkunst ausgefeilten italienischen Malerschulen in ungebrochener Schönheit auf die zeitgenössischen Apothekergefäße übergehen konnte. Der besondere Wert der Majolikamalerei ist der bravourös leichten Pinselführung zu verdanken. Die jeden Strich für immer bewahrende Gla­suroberfläche machte ein Korrigieren unmöglich, das zweite (fixierende) Brennen verlieh der Oberfläche einen nicht verblassenden Glanz und verewigte die ursprünglichen schillernden Farben. Auch die Formenwelt der Epoche machte eine Änderung durch. Die aus dem fernen Osten stammende gedrungene Albarello-Form wurde zu einer schlanken Spule, was — unabhängig von der Stilrichtung — den praktischen Grund hatte, daß der Apotheker sie leichter anfassen konnte. Die verschiedenen Arten von Sirup wurden in Schnabelkannen aufbewahrt. Die großen, dickbauchigen, oben weiten Gefäße dienten der Lagerung von Heilkräutern bzw. deren pulverisi­erten Formen. Die Formänderung der Apothekergefäße war eine Folge der Wechselwirkung der Arznei-„Technologie" und des gegebenen kunsthistori­schen Stils. Die Reihe der Apothekergefäße wird von einem Albarello in Form eines Engelkopfes (um 1600) eröffnet, das wahrscheinlich aus einer Werkstatt in Palermo stammt. Daneben ein ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammen­des zylindrisches Albarello aus Sizilien (Caltagirone), sowie eine zur Aufbe­wahrung von Öl dienende Kanne aus Castel Durante (Beginn des 17. Jahrhun­derts). Dem gleichen Ort, aber aus früherer Zeit (um 1580) wird das zylinder­förmige Apothekergefäß zugesprochen, das Fortuna am Flußufer darstellt und darüber die Aufschrift „DIAMOSCHI" trägt. In einem besonderen Schaukas­ten steht ein aus den 1660er Jahren aus Palermo stammendes, künstlerisch her­vorragend geformtes, zylinderförmiges Albarello in der Gestalt einer Madonna mit gelb-grünem „Tropheo"-Muster. AkanthusOrnamentik auf blauem Grund trägt das um 1630 in Trapani gefertigte Apothekergefäß zum Aufbewahren von Pulver dem größere Exemplar des bereits erwähnten sizialianischen Albarellos (Trapani) steht ein mit Jahreszahl (1671) und mit dem Meisterzeichen S.C.G. versehenes und die Jungfrau Maria darstellendes Apothekergefäß, das in Südita­lien, höchstwahrscheinlich in einer Neapler Werkstatt hergestellt sein dürfte 46

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