József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Aus der Geschichte der Medizin und der Pharmazie Ausstellungsführer (J. Antall, K. Kapronczay, Z. Pataki, M. Szlatky, M. Vida)

In dem in Frankreich entstandenen, überfeinerten, aristokratischen Rokoko­stil schuf der deutsche Maler Johann Christian Fiedler (1697—1765) das auf eine III Kupferplatte gemalte Ölbild „Die Krankenuntersuchung" (41,5x31,5 cm). Die vornehme, auf eine Samtsessel sitzende Dame blickt hilfeheischend auf den Arzt, der in siener Rechten ein birnenförmiges Glas zur Harnuntersuchung hält während er mit seiner linken Hand den Puls der Patientin abtastet. Aus dem mit hervorragender Technik gemalten Interieur hebt sich das mit feiner Zeichen­fertigkeit bearbeitete Teeservice auf dem Tisch hervor. Die Darstellung des Vorhanges, des Tischtuches sowie der getragenen Bekleidungsstücke ist fließend weich. Einen beachtenswerten Widerspruch zur feierlichen, etwas manirierten Darstellung der Figuren bildet die intime und realistische Formulierung des an der Wand hängenden Porträts, welches den Schöpfer des Bildes verewigt. Unter den Werken der bildenden Kunst, die im Museum aufbewahrt werden, II hebt sich das Ölgemälde von Balthasar van den Bossçĥe (1681—1715) hervor (48 × 60,3 cm), welches das Sprechzimmer eines Chirurgen darstellt. Der ur­sprünglichen Signatur zufolge hat der Meister dieses Bild 1707 — wahrschein­lich in Antwerpen — gemalt, welches die Abnahme eines Verbandes zum The­ma hat. Eine auf den früheren holländischen Genrebildern geborene, mythen­lose Menschendarstellung bringt dieses innige Bild, auf dem der leidende Pa­tient, der Chirurg, sein der Verband wärmender Gehilfe und die sie mit Furcht gemischter Verwunderung bestaunenden Frauen, die Darsteller also in einem alltäglichen Augenblick des realen Lebens zu einer künstlerischen Einheit verschmelzen. Das im dunklen Ton warmer Farben gehaltene Bild ist dennoch nicht ernst, sondern eher sachlich. Ein kleineres Ölgemälde eines holländischen Meisters aus dem 17. Jahrhun­dert, Die Schädeloperation (Eigentum des Christlichen Museums zu Esztergom), stellt den chirurgischen Eingriff ganz aus der Nähe dar. Der Chirurg führt die 62 Operation über den Kopf des Patienten gebeugt aus, dessen verzerrter, schmerz­licher Gesichtsausdruck beweist, daß in dieser Zeit die Betäubung oder Schmerz­linderung völlig unbekannt waren. Schließlich hat hier noch ein Gemälde seinen Platz erhalten, dessen Darstel­lungsweise darauf schließen läßt, daß es vormals das Aushängeschild eines Apotheken-Interieurs gewesen sein mag. Das Ölbild eines süditalienischen Meisters aus dem 18. Jahrhundert stellt die Bereiter des Mithridatium dar, 63 Mithridates und Maimonides, die in der Mitte das Zeichen des Giftes halten und von Laboreinrichtungsgegenständen umgeben sind. 44

Next

/
Thumbnails
Contents