József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Aus der Geschichte der Medizin und der Pharmazie Ausstellungsführer (J. Antall, K. Kapronczay, Z. Pataki, M. Szlatky, M. Vida)

4. Genrebilder der Praxis der Chirurgie und der inneren Medizin Die Kriege der Reformation und der Gegenreformation boten der Malerei neue Themen an : die Verewigung der Kämpfe und des Lebens im Kriegslager. Auf dem sechseckigen, von einem unbekannten niederländischen Meister auf eine Kupferplatte gemalten Ölbild ist ein Lagerverbandsplatz, ein Verwundeten­Verbandsplatz zwischen den zwei sich feindlich gegenüberstehenden Seiten zu sehen (Szene aus dem spanisch-niederländischen Krieg, 1621—1639). Die unter I dem Gemälde befindlichen Illustrationen, die chirurgische Geräte zur Kuge­lentfernung und Kugelzangen darstellen, können bezeugen, daß der Maler die Hilfeleistung an dem Verwundeten und die Entfernung der Kugeln ganz glaubwürdig dargestellt hat. Eine ähnliche Szene hat ein deutscher Meister des 18. Jahrhunderts auf dem kleinen Ölgemälde mit dem Titel „Die Behandlung eines verwundeten Husarenoffiziers" dargestellt. Eine natürliche Folge der "menschenzentrischen" Anschauungsweise der Renaissance und des Humanismus war die Darstellung des Alltags der Menschen und ihres bürgerlichen Berufes. Das Genrebild ist im klassischen Geburtsland der bürgerlichen Lebensform, in den Niederlanden, entstanden. Auf den Gen­rebildern der holländischen und flämischen Meister tauchen unter den verschi­edene Handwerke ausübenden Menschen auch die „Werkstätten" des Chiiur­gen, Arztes oder Apothekers auf. Die diagnostischen Methoden đerinneren Medizin lieferten der Malerei des 17.—18. Jahrhunderts ein neues Thema: die Harn- und die Puls Untersuchung. Oft erfolgt die Darstellung dieser Szenen in einem exotischen oder mythologischen Milieu. Das um die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert entstandene Ölgemälde — Achilles heilt mit dem Eisenpulver seiner Lanze die Wunde von Telephus — ist das Werk eines unbekannten flä­mischen Malers, der unter dem Vorwand eines mythologischen Themas eine chirurgische Behandlung, die Anwendung von „Rostpulver" dargestellt hat. Die gefärbte Federzeichnung eines italienischen Meisters des 18. Jahrhunderts — Eristratos untersucht den an Melancholie leidenden Antiochus — hat die 60 Methode der Pulsuntersuchung verewigt. Der Besuch des Arztes bei dem Kranken wird zu einem ständigen Thema der Genrebilder, auf denen die Maler natürlich die Methoden der Krankenunter­suchung — die Harn- und Pulsuntersuchung — dargestellt haben. Bei diesen Szenen fehlt natürlich auch der für die niederländische Malerei so charakteris­tische Humor nicht, denn bei dem Patienten handelt es sich im allgemeinen um eine junge Frau, die nichts anderes als nur „liebeskrank" ist, so aber können wir die für die Epoche kennzeichnende ärztliche Praxis kennenlernen. Auch auf dem Bild des Leidener Malers Jacob Toorenvliet (1635/36—1719) hält der die 61 junge Frau untersuchende Arzt mit seiner rechten Hand den Puls der Patientin, während er in seiner Linken das Harnuntersuchungsglas gegen das Licht hält (Budapest, Eigentum des Museums der Bildenden Künste). 43

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