József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)
Der Lebensweg von Ignác Semmelweis, 1818—1865 (J. Antall)
um die freie Stelle eines Adjunkten bemühte. Nach einer zweijährigen Wartezeit wurde er 1846 zuerst zum provisorischen, dann endgültig zum Adjunkten ernannt. Auch in diesen zwei Jahren sezierte er weiter bei Rokitansky und besuchte regelmäßig die Vorlesungen Skodas. In diesen Jahren (1845—47) hielt sich auch Lajos Markusovszky , die andere hervorragende Persönlichkeit der ungarischen Ärztegesellschaft des 19. Jahrhunderts, als Stipendiat in Wien auf. Er und Semmelweis schlössen eine Freundschaft fürs Leben, und er war es, der Semmelweis in seinem ganzen Leben immer wieder anspornte, begiesterte und unterstützte. DIE GROßE ENTDECKUNG Das Wiener Allegemeine Krankenhaus wurde unter Kaiser Joseph II. (1780— 14 90) errichtet. Seine Abteilung für Geburtshilfe war bereits im ersten Jahr des Bestehens des Krankenhauses (1784) tätig. Über vier Jahrzehnte hindurch starben kaum 1,25% der jungen Mütter. Doch in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann die Zahl der an Kindbettfieber Gestorbenen zu steigen. Die Lage besserte sich auch dann nicht, als in der Geburtsklinik zwei Abteilungen eingerichtet wurden. Leiter der I. Abteilung blieb Professor Klein, an die Spitze der II. wurde Bartsch gestellt. Eine Änderung trat erst dann ein, als durch einen Regierungsbeschluß die Praxis der Medizinstudenten und der Hebammen voneinander getrennt wurde. Die Medizinstudenten wurden der 1. Abteilung zugeteilt, die Hebammen der II. So starben zwischen 1841 und 1846 in der ersten Abteilung von 20 042 Gebärenden 1989 (9,92%), in der zweiten Abteilung von 17 791 Frauen 691 (3,38%). Die schwerste „Epidemie" wütete zwischen Oktober 1841 und Mai 1843. Es gab Monate (zum Beispiel den Oktober 1842), in denen 29,3% der Gebärenden starben, noch bevor sie die Freuden der Mutterschaft kennengelernt hätten. Das Ausmaß der Todesfälle und der Unterschied zwischen den beiden Abteilungen weckte auch das Interesse der offiziellen Kreise. Untersuchungskommissionen lösten einander ab, doch ohne Ergebnis. Das Kindbettfieber wurde als ansteckende Krankheit angesehen, und als Epidemie behandelt. Einmal suchte man den Grund in der Überfülltheit, ein anderes Mal wieder in der Heilmethode, pif^pwp¾r! Die Nachrichten über die Gefahren einer Entbindung im Krankenhaus und über die Unterschiede zwischen den beiden Abteilungen fanden in Wien schnelle Verbreitung. Das Kindbettfieber kam kaum bei jenen vor, die zu Hause entbanden oder selbst unter schlimmsten Umständen, eventuell auf der Straße ihr Kind zur Welt brachten. Die Aufnahme an die beiden Abteilungen wechselte täglich. Die Bewerber versuchten alles, um auf die Abteilung von Bartsch zu kommen, was nicht immer gelang. Die ledigen Mütter, die wegen der unentgeltlichen 20