József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)
Der Lebensweg von Ignác Semmelweis, 1818—1865 (J. Antall)
i ärztlichen Betreuung und wegen der Unterbringung des Kindes im Asyl gezwungen waren, in der Klinik zu entbinden, hatten keine Wahl. Und in Europa und in den Städten der Monarchie, vor allem dort, wo Militär stationiert war, war die Zahl der unehelichen Kinder äußerst hoch. Das Kindbettfieber wütete weiter in Europa, seine Ursache konnte nicht gefunden werden. Semmelweis kam als lebenslustiger, gemütlicher junger Mann nach Wien. Seine empfindsame Gemütsart, seine Menschenliebe standen der schrecĥklichen Vernichtung durch das Kindbettfieber bestürzt gegenüber. Er war nicht fähig, sich mit den grausamen Zahlen der Statistiken oder mit den akzeptierten alten und neueren Erklärungen abzufinden. Jeden Tag sah er die Mütter sich freuen und kurz darauf sterben, ohne daß er ihnen helfen konnte. Später legte er die Geschichte der Entdeckung schriftlich nieder. Wir lernen seinen schrecklichen Seelenzustand kennen, als ihm alles fragwürdig und unlösbar erschien, allein „die hohe Zahl der Toten war die unbezweifelbare Wirklichkeit" . In der Anatomie war er ein Schüler Rokitanskys. Auch er selbst suchte die Antwort im Seziersaal. Jeden Morgen sezierte er die Leichen, und das Krankheitsbild blieb sich immer gleich: Entzündung der Arterien, der Lymphgefäße, des Bauch- und Brustfells, des Herzbeutels und der Hirnhaut. Aufgrund von Skodas Ausschließungsmethode untersuchte er jene Vermutungen, die das Kindbettfieber in erster Linie als Epidemie betrachteten. Eine Epidemie hielt er für unmöglich, denn dann hätte die doch in beiden Abteilungen gleich wüten müssen. Auch in der Stadt wurde keinerlei seuchenhafte Erkrankung verzeichnet. Die Jahreszeiten beeinflußten die Krankheit in keinerlei Weise, was bei den Epidemien doch immer ein wichtiger Faktor war. Wie könnte die Schließung der Abteilung der „Epidemie" ein Ende bereiten? Ebenso wenig kann ein „gewalttätiger Eingriff" von Wirkung sein ! Die übrigen angenommenen Gründe dagegen (Schamgefühl, Behandlungsweise, Heilmethode usw.) waren in beiden Abteilungen restlos gleich. Was mochte der Grund an Ort und Stelle sein, in der I. Abteilung der Klinik von Professor Klein? Nach wenigen Monaten mußte Semmelweis seine Stellung aufgeben. Sein Vorgänger, Dr. Breit , kehrte zurück und für diesen Fall hatte er sich schon im Voraus verpflichtet. Er begann Englisch zu lernen, weil er zu einer Studienreise nach Dublin fahren wollte, wo das Kindbettfieber weniger Opfer forderte. Inzwischen verfügte eine Kommission, sich auf die groben Untersuchungsmethoden berufend, an der Wiener Klinik strenge Beschränkungen und setzte die Zahl der Studenten herab, vor allem der Ausländer. Dies hatte eine Senkung der Todesfälle zur Folge! Auch Dr. Breit selbst zählte nicht zu den fleißigen Sezierern, so nahm auch die Ansteckungsgefahr ab. Semmelweis konnte bald wieder seine Stellung einnehmen, da Breit eine Berufung als Universitätsprofessor nach Tübingen' erhielt. Nach den vielen Sorgen und Grübeleien suchte er sich auszuspannen. Im März 1847 fuhr er in Gesellscheft seiner Freunde nach Venedig, um zwischen den Kunstschätzen dieser Stadt Erholung zu finden. 21