József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Der Lebensweg von Ignác Semmelweis, 1818—1865 (J. Antall)

Dieser Studienerfolg ist um so mehr zu beachten, da Ignác eine der besten Schulen des Landes besuchte, aus der viele hervorragende Schüler hervorgingen {József Eötvös, László Szalay, Lajos Arányi usw.), und deren Lehrer zu den be­sten Pädagogen ihrer Zeit zählten. Selbst wenn wir diese Umstände aufgrund der rückständigen Unterrichtsverhältnisse in der damaligen Zeit einschätzen, er­weisen sich die oft laut gewordenen in- und ausländischen Gerüchte über die unzulängliche Schulbildung von Semmelweis als unwahr. Hier sei auch bemerkt, daß bei den Semmelweis-Söhnen in den amtlichen Papieren unter der Rubrik „Nationalität" immer „hungarus" vermerkt war, während man bei anderen oft die Eintragung „deutsch", „kroatisch" usw. findet. Nach dem Budaer Gymnasium besuchte er ab 1835 einen zweijährigen Lehrgang an der philosophischen Fakultät der Pester Universität. Auf Wunsch seines Vaters, der einen Militärrichter aus ihm machen wollte, schrieb er sich 1837 an der juristischen Fakultät der Wiener Universität ein. Sein Lebensweg nahm jedoch einen anderen Verlauf, er hängte das Jurastudium an den Nagel und wurde Medizinstudent. Das erste Jahr absolvierte er in Wien, das zweite und dritte in Pest, das vierte und fünfte wiederum in Wien. Im Jahre 1844 wur­de er aufgrund seiner unter dem Titel „Tractatus de Vita Plantarum" erschie- 13 nenen botanischen Arbeit zum Doktor der Medizin geweiht. Noch im selben Jahr erwarb er auch das Diplom des Geburtshelfers und des Chirurgen. Semmelweis' Jahre in der Kaiserstadt fielen in die Zeit der vollen Entfaltung der jüngeren Wiener medizinischen Schule. Der Internist Skoda und der Ana­tom Rokitansky übten, wenn sie auch ihre Lehren vorerst nur in Privatkursen bekannt machten, eine große Wirkung auf die Medizinstudenten aus, so auch auf Ignác Semmelweis. Rokitansky begnügte sich nicht mit der Auffassung der alten Schule, mit der nachträglichen, billigenden oder höchstens richtigstellen­den Rolle der Anatomie, sondern bereicherte sie — aufgrund der Forschungen des Franzosen Bichat — mit einer pathophysiologischen Anschauung. Einen großen Einfluß auf Semmelweis hatten auch der Umgestalter der inneren Diagnostik, Skoda, sowie sein Kollege Hebra, der die Hautkrankheiten auf anatomischer Grundlage systematisierte. Ihre Wirkung zeigte sich gleicher­maßen in seiner Vorbereitung, seiner Forscherleidenschaft und seiner Methodik. Bei den Erfolgen der jüngeren Wiener Schule kam der neuen anatomischen Richtung der Medizin zweifellos eine große Rolle zu. Es wurden Fragen beant­wortet, die allein bei einer Untersuchung der Lebenden niemals hätten gelöst werden können. Die Zusammenarbeit zwischen dem Internisten Skoda und dem Anatomen Rokitansky lieferte den Beweis für die Richtigkeit der Diagnose der inneren Medizin, für die Kontrolle der anatomischen Beobachtungen im Orga­nismus. Semmelweis war gezwungen, sich zwischen der inneren Medizin und der Geburtshilfe zu entscheiden. Er wählte die letztere. Skoda konnte ihn nicht als Assistenten einstellen, so daß er sich an der Geburtsklinik von Professor Klein 19

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