József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Der Lebensweg von Ignác Semmelweis, 1818—1865 (J. Antall)

Mitglieder der ,, Balassa-Gessellschaft' ' kamen vorerst bei den auf Initiative von Markusovszky regelmäßig veranstalteten Ausflügen zu Pferde und später dann auch am weißen Tisch zusammen. Aus ihnen entstand die sich schon im Vormärz entfaltende Pester medizinische Schule, die sich immer fester zusam­menschloß. Ihr Kreis erweiterte sich ständig, ihr schlössen sich Lajos Arányi, János Wägñer, János Bókaÿ, István Sass, Ignác Hirschler, Jan Czermák, Jenő Jendrássik, Kálmán Balogh und — als einer der ersten — eine ihrer größten Gestalten, Ignác Semmelweis an. ELTERNHAUS UND SCHULZEIT Ignác Semmelweis wurde am 1. Juli 1818 in dem Zopfhaus geboren, wo heute das nach ihm benannte Museum für die Geschichte der Medizin untergebracht ist. Die Familie Semmelweis gehörte nicht zu den alteingesessenen Familien der Bürgerschaft von Buda. Ihren Lebensweg kann man aufgrund des Familien­namens im Gebiet Altungarns bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts zurückver­folgen. Die Semmelweis' lebten in den Ortschaften des heutigen österreichischen Bundeslandes Burgenland (Märczfalva, Szikra, Kabold, Felsőpéterfa) bzw. in Eisenstadt (Kismarton). Sie kamen also aus dem Siedlungsgebiet der Heanzen (auch Hienzen), eines besonderen Schlages der Ungarndeutschen, dem auch bei­spielshalber Hyrtl oder Franz Liszt angehörten. Nach Meinung mancher For­scher sind die Heanzen Nachkommen der von Karl dem Großen noch vor der ungarischen Landnahme hier angesiedelten Franken. 10 József Semmelweis (1778—1846, der Vater von Ignác, wurde in Eisenstadt geboren und erhielt 1806 in Buda das Bürgerrecht. Im selben Jahr eröffnete er im Tabáner Meinđ sçĥen Haus (im Geburtshaus von Ignác Semmelweis, heute Sitz des Museums) seinen Spezereiladen „Zum weißen Elefanten" und betrieb ihn hier 17 Jahre lang (1806—23). Hier befand sich auch die Wohnung seiner Familie. Er mag ein vermögender Mann gewesen sein, denn 1810 heira­11 tete er die Tochter des berühmten Stellmachers Fülöp Müller, Terézia. Ein Beweis seiner guten Vermögensverhältnisse waren die vier Häuser in Buda, die der Familie gehörten. In das eine — es lag gegenüber dem Meinđ sçĥen Haus — verlegte József Semmelweis später seinen Laden und siedelte mit seiner Familie auch hinüber. Aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor, von denen eines kurz nach der Geburt starb. Die Söhne konnten alle studieren. Ignác Semmelweis 12 bezog nach Abschluß der Elementarschule im Alter von elf Jahren das könig­lich-katholische Universitätsgymnasium am Sankt-Niklas-Turm (Szent Miklós Torony) auf dem Andreas-Hess-Platz (Hess András tér). Die Lehranstalt wurde später von den Piaristen übernommen, so daß Ignác Semmelweis die letzten zwei Schuljahre (V. und VI. Klasse) bei ihnen absolvierte. Laut seinem Abschluß­zeugnis war er unter den sechzig Schülern seiner Klasse der zweitbeste und dem Klassenbesten „ebenbürtig". 18

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