József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)
Der Lebensweg von Ignác Semmelweis, 1818—1865 (J. Antall)
DER LEBENSWEG VON IGNÁC SEMMELWEIS, 1818—1865 Die ungarische Medizin stand und entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert unter dem Einfluß Wiens. Diese Stadt war das Mekka der ungarischen Medizinstudenten, hier konnten sie ihre Studien vervollständigen, konnten Bekanntschaft machen mit der modernsten medizinischen Theorie und Praxis der Zeit und ein Diplom erwerben, das im gesamten Reich anerkannt wurde. Die Herrschaft der Habsburger beraubte Ungarn seiner nationalen Unabhängigkeit, vertiefte seine Zurückgebliebenheit und behinderte — unter anderem — auch die Entfaltung des progressiven geistigen Lebens im Lande. Dazu steht in keinem Widerspruch, daß auch die Reichsregierung selbst nützliche, ja sogar fortschrittliche Verordnungen auf dem Gebiet des Gesundheitswesens, des Unterrichtes und der Sozialversorgung erließ, waren diese doch durch die zwingende Kraft der historischen Entwicklung unumgänglich geworden. Nur war das eben nicht identisch mit den natürlichen Bedürfnissen der inneren Entwicklung Ungarns, das seine Unabhängigkeit eingebüßt hatte. Da die natürliche Entwicklung des in jahrhundertelangen Kämpfen ausgebluteten Ungarn verhindert wurde und man seine zurückziehenden Kräfte unterstützte, blieben sowohl sein Gesundheits- als auch sein Unterrichtswesen in provinziellen Verhältnissen befangen. Das jedoch erhöht nur noch mehr das Verdienst jener Wissenschaftler, die unter so stiefmütterlichen Bedingungen tätig waren und die Sorgen des umseine Erneuerung ringenden öffentlichen Lebens auf sich nahmen. Die sich seit der Aufklärung entfaltende ungarische Medizin wurde langsam selbständig, umfaßte sämtliche Fachzweige, und im Vormärz (Reformzeitalter) wurde Pest zum wahren Zentrum des wissenschaftlichen Lebens. Die Pester medizinische Schule nimmt ihren eigentlichen Anfang, als sich die neue Generation um János Balassa zusammenschließt. Diese neue Generation erreicht das wissenschaftliche Niveau der führenden Länder, vertritt einheitliche Anschauungen auf dem Gebiet von Medizin und Gesundheitswesen und bleibt ein für allemal Vorbild und „Schule" für kommende Ärztegenerationen. Nach der Kapitulation von Világos folgten schwere Jahre. Auch Balassa wurde eingekerkert, kam aber bald wieder frei. Nachdem er wieder in sein Lehramt eingesetzt war, stellte er die beiden hervorragenden Chirurgen Lajos Markusovszky und Sándor Lumniczer als seine Privatassinstenten ein. Die 17