József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Ungarische Topographie geschützter Apothekeneinrichtungen von historischem und kunstgewerblichem Wert (M. Vida)

letzten Jahren erfolgten Restaurationsarbeiten kamen noch zwei weitere bemalte barocke Einrichtungen zum Vorschein, und zwar in Kőszeg und in Székesfehér­vár. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts standen in weitem Kreise hauptsächlich zwei Richtungen in Blüte : zu Beginn des Jahrhunderts der neue, dem Gesch­mack des Großbürgertums entsprechende, repräsentative Empire-Stil, der von 1820 an durch den im Kreise des Bürgertums und des gemeinen Adels üblichen Biedermeier-Stil abgelöst wurde. In Ungarn tritt im allgemeinen die für die einzelnen Epochen charakteristische Stilrichtung nicht in ihrer reinen Form auf, wegen der zeitlichen Verschiebungen kommt es häufig zu Verdeckungen. So zum Beispiel treten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der klassizistische, der Empire- und der Biedermeier-Stil häufig gemischt auf. Das schönste Exemplar einer Empire-Apotheke in repräsentativem Charakter ist das im Preßburger Pharmaziehistorischen Museum ausgestellte Offinzininterieur des „Roten Kreb­ses ". An der lackierten schwarzen Einrichtung können wir das in Ungarn häufig zu beobachtende gemeinsame Auftreten des Empire- und klassizistischen Schmuckes sehen. Neben der klassizierenden Säulenkopfverzierung sind der Taratisch und das obere Gesims mit einem vergoldeten weiblichen Kopf und Karyatidenfiguren geschmückt. Aus dieser Epoche sind — dem Zeugnis der Archivmitteilung zufolge — in unserem Land Apothekeninterieurs in schöner Zahl erhalten geblieben. ANSCHAUUNGSWEISE UND RICHTLINIEN ZUR ERFASSUNG ALTER APOTHEKENINTERIEURS Die kurze stilhistorische Einführung beweist, über welchen bedeutenden kunst­gewerblichen — und innerhalb dessen Möbelkunst Wert in unseren Tagen die alten Offizininterieurs sowohl in den einzelnen europäischen Ländern als auch in Ungarn verfügen. Das unmittelbare Ziel der landesweiten Erfassung besteht über dem einfachen und sich über die Komitate erstreckenden Über­blick hinaus darin, die in unserem Land auffindbaren, noch „verborgenen" Apothekeninterieurs an die Oberfläche zu bringen. Nicht nur die Rettung der Interieurs von obenerwähntem Stil ist wichtig, sondern auch der Einrichtungen, die dem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenen eklektischen Stil entsprechend von neoromanischen, neogotischen bzw. neorenaissance­Charakter sind, sowie auch die in dem sich um die Jahrhundertwende vervoll­kommnenden neuen, „modernen" Stil, die im Geist der Sezession angefertigten Interieurs. Zur Darstellung der gesamten Entwicklung der ungarischen Phar­mazie ist nämlich die Bewahrung bzw. Demonstration einer zeitgenössischen Apotheke von kunstgewerblichem Wert sehr geeignet. In Ungarn regelt — außer den allgemeinen, sich auf die Museen beziehenden 127

Next

/
Thumbnails
Contents