József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Ungarische Topographie geschützter Apothekeneinrichtungen von historischem und kunstgewerblichem Wert (M. Vida)

unserer Heimat ist eine Apothekeneinrichtung aus der späten Renaissance erhalten geblieben — mit entwickelterer und abgesetzterer Maltechnik —: aus dem 17. Jahrhundert in der Burg Vöröskő (heute in der CSSR). Miklós Pálffy (verstorben 1671) gestaltete seine mittelalterliche Burg zu einem Renais­sance^ Wohnschloß um, in dessen südwestlichem Flügel die Apotheke in einem Gewölbe ihren Platz erhielt. Die „Haus-"Apotheke der Burg Vörösko, die heute musealen Zwecken dient, wurde wahrscheinlich von den in der Burg tätigen Tischlern angefertigt. Bei den im 17. Jahrhundert gegründeten Apotheken handelt es sich in der Mehrzahl um solche, die von Grundherren gegründet wurden, während sich in der Mitte des 18. Jahrhunderts die von der Kirche — und zwar in erster Linie auf Initiative des Jesuitenordens — gegründeten Apotheken vermehrten. In den Ordenshäusern nahmen außer den geistlichen Brüdern auch solche, sich ausgezeichnet aufs Handwerk verstehende Laienbrüder am Bau und der Anfertigung der Einrichtung teil. Die Schaffung von Apotheken setzte nach 1738 ein, nachdem Maria Theresia eine Verordnung erlassen hatte, daß auf dem Gebiet eines jeden Komitates weniñgsteñs eine Apotheke aufzustellen sei und nachdem die Landesgesundheitskommission (Commissio in Re Sani­tati Stabilñer Ordinata) gebildet war. Die ungarischen Jesuitenapotheken — hauptsächlich die in Kőszeg*— ent­standen mit geringer Abweichung getreu dem Vorbild der Bibliothek des Grazer Ordenshauses. Die dem Zeitalter entstammende ursprüngliche spät­barocke Einrichtung ist auf dem Gebiet des heutigen Ungarn in Kőszeg, Szé­kesfehérvár, Eger, im Oberland — heute auf dem Gebiet der CSSR — in Tréñ­çséñ und Kassa (Jesuitenapotheke) sowie in der Spitalsapotheke der Preßburger Elisabeth-Nonnen* erhalten geblieben. In Preßburg wurde vor wenigen Jahren die Sö/vürtor-Apotheke (ehemalige Jesuitenapotheke) restauriert, die auch heute noch als Apotheke fungiert, deren Einrichtung jedoch schon den klassizisti­schen Louis XVI.-Stil aufweist. Vor dem furnierten Gestell, das mit vergolde­ten Säulenköpfen und Halbsäulen gegliedert und oben mit Ochsenaugen und vergoldeten Holzschnitzereien verziert ist steht ein auf drei Steinlöwen ruhen­der, mit Intarsien versehener Taratisch. Der Umzug der Nagyszombater Universität nach Buda (1777) — wo auch Apothekerausbildung erfolgte — förderte im dritten Drittel des 18. Jahrhun­derts die Vermehrung der durch Bürger gegründeten Apotheken. Während den Conscriptionen des Jahres 1747 zufolge in Ungarn insgesamt 48 Apotheken tätig waren, wissen wir zu Ende des Jahrhunderts bereits von 193 existierenden Apotheken. Die einzige, aus dieser Zeit verbliebene bürgerliche Apotheken­einrichtung ist die heute im Debrecener Déri-Museum befindliche, die der 1771 gegründeten Apotheke „Goldenes Einhorn " entstammt. Im Laufe der in den * Gegenwärtig im Pressburger Apothekenmuseum „Roter Krebs" ausgestellt. 126

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