J. Antall szerk.: Medical history in Hungary. Presented to the XXII. International Congress for the History of Medicine / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 4. (Budapest, 1970)

ESSAYS-LECTURES - K. Kapronczay: Comenius and Hygienic Education (in German)

Merkmale, im Westen Europas rückte jedoch, den Bedürfnissen des westlichen Bürgertums angemessen, der Anspruch auf Erkenntnis und Nutzung der Natur in den Vordergrund. In den Werken des grossen Pädagogen verquicken sich die weltanschaulichen Elemente des individuellen Humanismus und des west­lichen Bürgertums. Seine Schriften sind getragen von dem für ihn bezeichnen­den Demokratismus, mit dem er, ausgehend von den Grundsätzen der univer­salen Humanität, die sozialen und pädagogischen Fragen kritisiert. Seine päda­gogischen Prinzipien durchbrachen die Schranken der ständischen Schulord­nung, er bemühte sich, allen die gleiche Erziehung zu bieten. In seinem System ist jeder zum Unterricht geeignet und auch dazu, später ohne soziale Vorurteile welche Stellung auch immer zu bekleiden. Ein Eckpfeiler in der pädagogischen Theorie des Comenius bildete die Pan­sophie [G]. Ihr Wesenskern bestand in folgendem: Dem Schüler ist die Gesamt­heit des Wissens zu bieten, das sachlich wie methodisch eine Einheit bilden muss. Dieser Gedanke hatte schon vor Comenius viele beschäftigt, wie z. B. Alstedius, der Comenius in Herborn unterrichtete. Die einigermassen utopisch geprägte Pansophie enthielt auch zahlreiche soziale Elemente, wollte sie doch, indem sie Wissen und Lernen zum Allgemeingut machen wollte, auch die Änderung der sozialen Verhältnisse fördern. Bis zum 17. Jahrhundert gibt es in der Geschichte der Erziehungswissen­schaft keine pädagogische Theorie, die jener des Comenius ebenbürtig wäre. Die Jugend muss aufs Leben vorbereitet werden, die Schule ist die Werkstatt, die den Kindern die Kenntnis der Lebensaufgaben erschliesst. So wird ein­sichtig, dass die mittelalterliche Schule weder in ihrem System noch in ihren Anforderungen dem Denker der bürgerlichen Entwicklung genügen konnte, dass er den allgemeinen Volksunterricht forderte. Die Sprache rückte in den Mittelpunkt des Unterrichts, denn sie verhindert die Zersplitterung der Kennt­nisse und führt zum Wesenskern der Dinge. In der mehrstufigen Schule des Comenius erwerben die Schüler die Kenntnisse auf jeweils unterschiedlicher Ebene und mit verschiedener Ausführlichkeit. Die Methode des konzentrisch aufgebauten Unterrichts begegnet den Grundsätzen der Pansophie, um mit ihrer Hilfe die Kenntnisse zu systematisieren. Comenius erklärte das Ideal der gemeinsamen Erziehung, er betonte mit der Einführung der kollektiven Methode anstelle der organisationslosen Schule die Bedeutung des organisierten Unterrichts. Er legte die Stundenzahl fest, gliedert die Schüler nach Alter und Fähigkeiten in Gruppen, bestimmte die Unterricht­sordnung der einzelnen Klassen, wobei er den Lehrstoff dem Niveau der Schüler von mittlerer Begabung anpass e. Ungewöhnlich viel beschäftigte er sich mit der Anschaulichkeit und mit der Methodik des Unterrichts. Darin nahm er die Gedanken des grossen englischen Philosophen Bacon auf. Als Grundlage des Wissens betrachtete er die Erfahrung, wobei er die exakte Beobachtung der Erscheinungen und die fallweise ausschlaggebenden Erfahrungen als wesentliche Etappen des Erkenntnisprozesses begriff. Zur Verarbeitung des auf dem Er­fahrungswege gesammelten Stoffes und zur Findung der kausalen Zusammen­hänge empfahl er die induktive Methode. Die erziehungsgeschichtliche Bedeutung der Gedanken des Comenius zur Di­84

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