J. Antall szerk.: Medical history in Hungary. Presented to the XXII. International Congress for the History of Medicine / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 4. (Budapest, 1970)

ESSAYS-LECTURES - K. Kapronczay: Comenius and Hygienic Education (in German)

daktik und Methodik besteht darin, dass er an der Schwelle der Neuzeit den Begriff der Erziehung als erster fass e, diesen Begriff durch Erfahrungsgrund­lagen unterbaute und die Notwendigkeit dieser Begriffsfassung auch begründete. Er verwarf die Lehre von der Überzeugungskraft der Autorität und betonte die Bedeutung der Vernunft im logischen Denken. Jan Ámos Comenius entwickelte ein Schulsystem, das den bislang erzielten, altersbedingten Kenntnissen und ihren besonderen Komponenten gerecht wurde. Besonders bedeutend waren seine Ausführungen über Aufgabe, Organisation und Lehrbücher der einzelnen Schulstufen und über die Anforderungen gegenüber den Lehrern. Die Bedeutung des Comenius besteht besonders darin, dass er mit den Traditionen der Ver­gangenheit zu brechen und im Bereich der Erziehung das Neue, das Fort­schrittliche zu schaffen wusste, das nicht nur im rückständigen Mittel- und Osteuropa, sondern auch in den entwickelteren westeuropäischen Ländern weg­weisend war. MEDIZINISCHE UND PSYCHOLOGISCHE KENNTNISSE DES COMENIUS Beim Lesen der Werke des Comenius stösst man auf zahlreiche Begriffe und Gedankengänge, die in dem einen oder anderen medizinische Belange haben und Folgerungen über den Stand der medizinischen Wissenschaften der Zeit zulassen. Vor allem hatte Comenius in anatomischen und psychologischen Fragen gründliche Kenntnisse. Diese müssen besonders erörtert werden, denn in seinen psychologischen Fragestellungen mischen sich idealistische und materialistische Elemente. So untersucht er in der Didactica Magna und im Orbis Piç us den Menschen — wenngleich er ihn als ein Geschöpf Gottes betrachtet — mit materialistischen Methoden. Vor allem handelt er die für den Unterricht aus­schlaggebenden Kenntnisse so ab, dass sie den Weg der Aneignung erleichtern. Auch in der Aneignung der medizinischen Kenntnisse stand Comenius merklich unter dem Einfluss der medizinischen Errungenschaften des Humanismus sowie unter dem Bacons . In der Didactica Magna rücken vor allem die psychologischen Belange in den Vordergrund, insofern Comenius bis zu der Einsicht gelangt, dass der Sitz des menschlichen Denkes das Gehirn ist, mit dessen Hilfe wir uns in den Dingen der Welt orientieren. Den Sinnesorganen, mit deren Hilfe der Mensch mit der Aussenwelt in Kontakt kommt, schreibt er eine grosse Bedeutung zu. Diese Erkenntnis ist auch ein Eckpfeiler des anschaulichen Unterrichts. Seiner Mei­nung nach sind die Ergebnisse des Unterrichts weitgehend dadurch bedingt, dass die Schüler ihre Kenntnisse nicht nur in Worten, sondern auch durch die Erfahrungen des praktischen Lebens erwerben. Die mit den Sinnesorganen wahrgenommenen „Bilder" werden im Gehirn verarbeitet und die Funktionen des Gehirns binden sich an dessen bestimmte Teile. Im Orbis Piç us spricht er darüber wie folgt: „Der gewöhnliche Verstand erfasst unter dem ersten Teil des Hauptes die mit den äusserlichen Sinnen aufgenommenen Dinge . Die Sinnenskraft 85

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