J. Antall szerk.: Medical history in Hungary. Presented to the XXII. International Congress for the History of Medicine / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 4. (Budapest, 1970)

ESSAYS-LECTURES - K. Kapronczay: Comenius and Hygienic Education (in German)

wurde er von den Böhmischen Brüdern zum Priester geweiht. Als Prediger stand er einer mährischen Brüdergemeinde vor, bis die Niederlage in der Schlacht am Weissen Berge sein weiteres Leben entscheidend beeinfluss e. Nachdem er sich vor den Verfolgungen jahrelang daheim verborgen hatte, verliess er mit einer Gruppe der Böhmischen Brüder 1627 für immer seine Heimat. „Mein ganzes Leben war ein ewiges Wandern, mit ständig wechselnder nächtlicher Unterkunft . Nirgendwo fand ich eine Heimat ", schrieb er später [2]. Zuerst ging er nach Polnisch-Lissa, wo er als Lehrer und später als Rektor des Gymnasiums wirkte. Hier verfass e er sein weltberühmtes pädagogisches Werk, die Didactica Magna [3] und setzte damit einen Meilenstein in der Geschichte der Pädagogik. Die Didactica Magna ist ein unveräusserlicher Teil der menschlichen Kulturgeschichte. Von Lissa reiste er nach London, um sein Vorhaben der Pansophie zu verwirklichen. Dieser Plan zerschlug sich jedoch an den damaligen Verhältnissen. Von England führte ihn sein Weg nach Schweden. Unterwegs begegnete er Descartes , der Comenius * Pläne begeistert begrüsste, jedoch für undurchführbar hielt. Ähnlich äusserte man sich in Schweden über seine Vorstellungen und ermutigte ihn zur Abfassung von praktischeren Latein­büchern. Von Stockholm kehrte er wieder nach Lissa zurück, zwei Jahre später ging er nach Sárospatak. Comenius hielt sich 1650—54 auf Einladung von Zsuzsanna Lorándffy in Ungarn auf und reorganisierte das Pataker Kollegium. Neben dieser organisatorischen Tätigkeit und den Schriften über die Erzie­hungslage in Ungarn war das bedeutendste Werk seiner Pataker Zeit der Orbis sensualium pictus [4], in dem er zum erstenmal in der Geschichte des pädagogi­schen Schrifttums weitgehend die Methode der Veranschaulichung anwandte. Dem damaligen Stand der Wissenschaften entsprechend, war Comenius um eine enzyklopädische Systematisierung und bildliche Veranschaulichung der Er­scheinungen von Natur und Gesellschaft bemüht. 1654 verliess Comenius Sárospatak und kehrte nach Lissa zurück, um sich den Brüdern anzuschliessen, deren Bischof er seit 1648 war. Im Polnisch-Schweiđ­sehen Krieg wurde Lissa (1656) von polnischen Truppen zerstört, und die Böhmischen Brüder müss en fliehen. Die kleine Gemeinde zerstreute sich in alle Winde, Comenius selbst fand nach langer Irrfahrt in Amsterdam Zuflucht. Hier redigierte und veröffentlichte er seinen Band Opera Didactica Omnia [5]. Einsam, gebrochen arbeitete er bis zu seinem Tode im Jahre 1670. WISSENSCHAFTSBETRACHTUNG UND PÄDAGOGIK DES COMENIUS Den geistigen Strömungen der Zeit verhaftet, waren die weltanschaulichen Grundlagen, auf denen das pädagogische System des Comenius beruhte, wider­spruchsvoll. Seine Weltanschauung entwickelte er unter dem Einfluss der fort­schrittlichen Überlieferungen und der pädagogischen Auffassung der Böhmi­schen Brüder sowie des Humanismus, der in den verschiedenen Gebieten Euro­pas, den lokalen Bedingungen des Bürgertums entsprechend, jeweils in anderem Gewand auftrat. Selbstverständlich hatte diese Geistesströmung gemeinsame 6' 83

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