J. Antall szerk.: Medical history in Hungary. Presented to the XXII. International Congress for the History of Medicine / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 4. (Budapest, 1970)

ESSAYS-LECTURES - K. Kapronczay: Comenius and Hygienic Education (in German)

Die erste Phase der Hussitenkriege (1420—1434) fand mit der Niederlage bei Lipany (1434) ihr Ende, als die mit den Kalixtinern verbündeten Kaiserlichen die Haufen der Tábori én zerschlugen. Nur die Stadt Tabor hielt sich noch bis 1452. Trotz der Vergeltungsmassnahmen wirkten die fortschrittlichen Gedanken weiter. Der einstige Ordensbruder Gregor gründete eine Sekte, die Böhmische Brüdergemeinde, in der der Hussitismus unter religiösen Äusserlichkeiten fort­wirkte. Die Brüder flüchteten vor den Nachstellungen ins Ausland. Daheim erhielt das Bürgertum durch Humanismus und Reformation weiteren Auftrieb und trat im 17. Jahrhundert aufs neue auf den Plan. Die Evangelischen, die hussitischen Brüder und die Kalixtiner erkämpften 1609 die Religionsfrei­heit, die von den Habsburgerñ jedoch nicht beachtet wurde. So wollten die Böhmen ihre Rechte erzwingen (1619), konnten sich jedoch der Übermacht nicht erwehren. Tillÿs Söldner zerschlugen am 8. November 1620 in der Schlacht am Weissen Berge die böhmischen Heere. Vor der grausamen Vergeltung suchten viele Tausende in Deutschland, Polen und Ungarn Zuflucht. In Böhmen selbst wütete die Gegenreformation unerbittlich und durchgreifend. Die Ideen des Meisters Jan Hus wurden nurmehr von den Emigranten gewahrt, die in ihren Disputen bis zu dem Gedanken, den feudalen Staat völlig umzugestalten, vor­stiessen und ein wachsendes Interesse für die Fragen der Erziehung bekundeten. Der bürgerlichen Lebensform entsprechend, wollten sie den Unterricht in der Muttersprache halten, die Aneignung lebensnahe? Kenntnisse mit der Erler­nung eines nützlichen Berufs verbinden. Aus der Reihe der Denker, die Böhmen verlassen müss en, wurde Jan Ámos Komensky (Comenius) , der letzte Bischof der Böhmischen Brüdergemeinde, überall in Europa bekannt: schon seine Zeit­genossen nannten ihn „magister gentium". COMENIUS' LEBENSWEG Comenius wurde 1592 im mährischen Uhersky Brod (Ungrisch Brod) geboren. Die Eltern waren wohlhabende Bauern, der Vater ungarischer Herkunft, die Familie hiess ursprünglich Szeges [1]. Die Forschungen der letzten Jahre förderten auch einen schriftlichen Beleg Zutage, der besagt, dass Comenius die Einführung eines Werkes mit dem ur­sprünglichen Familiennamen unterzeichnete. Das Dokument befindet sich im Poznaner Archiv und zeigt die Unterschrift „Jan Arnos Ko .. . Szeges'*. Die ungarische Herkunft auf väterlicher Linie kann aber keineswegs bedeuten, dass man den grossen Pädagogen als Ungarn bezeichnen dürfte, denn er bekann sich zeit seines Lebens stolz als Sohn Böhmens und Mährens. Wohl aber ist diese Beziehung von Comenius zu Ungarn geeignet, das gegenseitige Verständnis der beiden Nachbarvölker zu fördern. Kaum zehn Jahre alt, verlor Comenius seine Eltern und kam zu den Ver­wandten in Deutschland. Mit der Unterstützung der Böhmischen Brüder be­suchte er die Schulen in Strassnitz und Prerau, studierte dann an den Univer­sitäten Herborn und Heidelberg Theologie. Nach Abschluss seiner Studien 82

Next

/
Thumbnails
Contents