Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 206-209. (Budapest, 2009)

ADATTÁR — DOCUMENTS - Offner, Robert: Johannes Hertelius erdélyi orvos eddig ismeretlen, 1593. február 8-iki keltezésű levele Carolus Clusius flamand botanikushoz

236 Comm. de //ist. Artis Med. 206- 209 (2009) Deutsche Übersetzung (von Helmut Genaust): Nichts Neues erfahrt Ihr allerdings jetzt aus meinem Brief, nämlich dass mir dieser Ta­ge der Auftrag, in einer Vorlesung die einfachen Heilmittel zu erklären, von den hochbe­rühmten Leitern der Universität Padua erteilt worden ist und dass ich nicht entfliehen konnte; und ich habe, von Freunden aufgefordert und gebeten, die ganze Provinz fröhlich empfangen. Deshalb werde ich, wenn Fastnacht vorüber ist, mit meinen einführenden Vorle­sungen an der öffentlichen Akademie zu Padua beginnen, und ich bitte, dass sie mir das mit Unterstützung des Allerhöchsten Gottes glücklich gestattet. Sie aber, dessen Gunst ich mehr­fach und dessen Menschlichkeit ich oft erfahren habe, möchte ich inständigst bitten, dass Sie und Ihre Freunde mich Ihren hoch angesehenen deutschen Landsleuten, die in Padua Medizin studieren, innigst empfehlen (...). Denn da in Padua ein gewisser Johannes Artellius (Sie!) aus Siebenbürgen agiert, der, weil er diese Lesung verlangte, hoffte, dass sie, solange ich da bin, seinen Gelübden nicht stattgeben werde, kann ich nicht klar genug sagen, wie ich durch sein Reden bei mehreren herausgefordert worden bin. Und ich fürchte, dass er dann mehr von Neid getrieben darauf hinarbeiten will, dass ich erneut verleumdet werde; ich glaube, dass er alles mit Händen und Füßen tun wird, dass ich keine Hörer mehr habe. Sie würden mir daher einen sehr großen Gefallen tun, wenn Sie jener hochehrwürdigen Nation von hlörern irgend­eine Gunst erweisen und sie dazu begeistern würden, dass sie mich anhören, wenn ich jetzt die Naturgeschichte an der Universität Padua erkläre. (...) Aus einem ebenfalls in der Briefsammlung Trew (Erlangen) befindlichen Brief vom Consiliarius et Procurator der Natio Germanica der Artistischen Universität zu Padua vom Februar 1594 an Joachim Camerarius II. erfahren wir sogar, dass die Intervention des Nürn­berger Gelehrten offensichtlich recht wirksam war und der Wunsch von Alpini in Erfüllung ging, nämlich die deutschen Studierenden zwischenzeitlich ihn nicht nur annahmen sondern seinen Unterricht in höchsten Tönen lobten. Motiviert durch die nun vorliegenden interessanten Zeitdokumente, die auf eine Kräf­temessung zweier ungleichen Kandidaten für die Professur der Botanik an der Universität zu Padua neues Licht werfen, sollte die Chance nicht ungenutzt bleiben, mithilfe der heute zur Verfügung stehenden handschriftanalytischen Mitteln, weitere Daten über die Persön­lichkeit und die Charaktereigenschaften von Hertelius zu gewinnen. Somit gab ich ein gra­phologisches Gutachten des vorgestellten Briefes bei der Berliner Graphologin Sulamith Samuleit in Auftrag. Ihr Gutachten lautet: „Die Handschrift von Johannes Hertelius wirkt individuell durch das lebendige, aufge­lockerte Unrege Im aß der Schriftzüge. Die Schreibbewegung holt aus in beweglichen Schwüngen, die aber in der Mittelzone der Schrift wieder straff gezügelt werden. Wer so schreibt, sucht die Weite des Horizonts, öffnet sich neuen Erfahrungen und lässt sich auch auf Abenteuer ein - aber ohne sich treiben zu lassen. Sein zielgerichteter Wille sorgt für die Integration vielfältiger Anregungen zu einer in sich stimmigen Anschauung. Theorie und Dogmatik interessieren ihn nicht besonders. Die Schrift von Hertelius hat nicht die sachli­che Ordnung des wissenschaftlichen Typs, sondern ähnelt mehr der malerischen Hand­schrift von Rubens. Seine Gedanken gründen in der sinnlichen Wahrnehmung und im seeli­schen Erlebnis. Er glaubt nur, was sich mit eigener Erfahrung vereinbaren lässt, und ist selbstbewusst genug, eine eigenständige, kritische Meinung zu haben. Konßikte und Aus-

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