Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 188-189. (Budapest, 2004)
KÖZLEMÉNYEK - COMMUNICATIONS - Namal, Arin - Honti, József: „Mein Vaterland ruft mich!" Antritt, Dienst und Abschied des ungarischen Wissenschaftlers Prof. Dr. Tibor Péterfi (1883-1953) an der Universität Istanbul. — „ Hazám szólít! " Egy magyar tudós, Prof Dr. Péterfi Tibor (1883-1953) érkezése az Isztambuli Egyetemre, ottani működése és távozásának körülményei
„MEIN VATERLAND RUFT MICH!" ANTRITT, DIENST UND ABSCHIED DES UNGARISCHEN WISSENSCHAFTLERS PROF. DR. TIBOR PÉTERFI (1883-1953) AN DER UNIVERSITÄT ISTANBUL ARIN NAMAL - JÓZSEF HONTI Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und dem Kampf um die nationale Unabhängigkeit wurde 1923 die Türkische Republik gegründet. Unter ihrem Gründer und ersten Staatspräsidenten, Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938) trat die Republik in eine Phase umfassender Reformen ein, deren Hauptziel die rasche Anhebung des zivilisatorischen Niveaus des Landes war. So war auch die 1933 eingesetzte türkische Universitätsreform Teil des Zieles, das Land zu zivilisieren und an das Entwicklungsniveau des Westens anzupassen. Durch einen interessanten historischen Zufall traf die Universitätsreform zeitlich mit der Machtergreifung Hitlers in Deutschland zusammen, weshalb die türkische Regierung die Möglichkeit bekam, zahlreiche hervorragende Wissenschaftler, die Deutschland verlassen mussten, an die Universität Istanbul, die damals einzige Universität des Landes, zu holen 1 Dem Strom jüdisch-stämmiger und dem Nationalsozialismus oppositionell gegenüberstehender deutscher Wissenschaftler in die Türkei in den Jahren 1933-1938 folgten Wissenschaftler jüdischer Abstammung aus Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei 2 . Auch für sie wurde die Universität Istanbul eine Zufluchtsstätte, an der sie ihre wissenschaftliche Arbeit fortsetzen konnten. Péterfis Lebensweg und wissenschaftliche Arbeiten bis zum Dienstantritt an der Universität Istanbul Als eine dieser Personen reihte Tibor Péterfi (Dok.l.) der Universität Istanbul am 27. 05. 1939 seinen Lebenslauf mit folgenden Informationen ein 3 : „Geboren: 22. Juni 1883, Dés (Transylvanien, damals Ungarn), Vater: Sigmund Péterfi, Direktor der Eisenbahnen vom Szamostal, Mutter: Berta Ehrlich, Religion: ev. protestant. 4 ' ' Widmann H.: Exil und Bildungshilfe. Die deutschsprachige akademische Emigration in die Türkei nach 1933. Frankfurt/M. 1973. 2 Kröner P.: Vor fünfzig Jahren. Die Emigration deutschsprachiger Wissenschaftler 1933-1939. Wolfenbuttel 1983. 3 Archiv der Personalabteilung des Rektorats der Universität Istanbul. Tibor Péterfi. Akte Nr. 4109/ 158. 4 In einem Kompendium über die Biographien der Emigranten der Jahre 1933-1945 war Péterfis Religion allerdings als „jüdisch" angegeben. Vgl. Straus H. A.- Röder W. (Hrsg.j: International Biographical Dictionary of Central. European Emigrés 1933-1945. Vol. II/ Part 2: L-Z. The Arts, Sciences and Literature. München u.a. 1983. S. 898.